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Ideen für ein Unterrichtsfach „Medien und Kommunikation“

Beitrag verlinken am 08.06.2011 geschrieben
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Die neue Ba-Wü-Kultusministerin, Gabriele Warminski-Leitheußer, möchte das Schulfach „Medien und Kommunikation“ einführen. Damit folgt sie einem Wunsch des Landesschülerbeirates. Die Schüler sollen z.B. mit den sozialen Netzwerken nicht allein gelassen und zu aufgeklärten Nutzern werden. Die GEW spricht sich gegen ein eigenes Schulfach aus und möchte die Medienerziehung in jedem Fach verankert sehen.

Aus meiner Sicht spricht einiges für ein solches Fach: Die Vielzahl und Undurchschaubarkeit von Web 2.0-Angeboten verlangt nach Wegweisern und Anleitung. Auch sollten Schüler mit der Wikiphilosophie und -praxis vertraut gemacht werden, ebenso mit Regeln der Meinungsäußerung in Blogs und Twitter, mit der Bewertung von Informationen usw. 

Oder ist der GEW-Vorschlag doch besser und die Inhalte und Kompetenzen sollten in fachspezifisch vermittelt werden?

Beitrag wurde am 08.06.2011 vom Verfasser bearbeitet
Beitrag verlinken am 08.06.2011 geschrieben
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Die Verankerung von Medienerziehung in allen Fächern scheint mir grundsätzlich der sinnvollere und richtigere Weg zu sein. Die Frage bleibt natürlich, ob dies dann auch geschieht und wie es umgesetzt wird. 

Für ein eigenes Fach "Medien und Kommunikation" spricht sicherlich, dass man nach dessen Einführung auch sicher sein kann, dass entsprechende Inhalte tatsächlich den Eingang in den Schulunterricht finden - vorausgesetzt, das Fach fällt nicht irgendwelchen Kürzungen zum Opfer und es gibt auch ausreichend und fachkompetente Lehrkräfte.

Und in beiden Fällen bleibt natürlich auch die Frage, welche Inhalte und Kompetenzen denn tatsächlich vermittelt werden sollen. - Gibt es dazu schon Ideen? 

Beitrag verlinken am 08.06.2011 geschrieben
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Die Idee, die Medienerziehung in die Fächer zu verlagern, ist theoretisch einleuchtend, aber praktisch vielfach gescheitert. Nehmen wir z.B. die Arbeit mit Wikis. Noch immer kennen sich nur wenige Lehrerinnen und Lehrer damit aus. Sie werden das dementsprechend nicht in ihren Biologie oder Englisch-Unterricht integrieren können. Nehmen wir das Wissen der Kolleginnen und Kollegen über das "social web", oder auch die immer noch verbreitete Skepsis gegenüber der Wikipedia oder Twitter; oder wie viele Lehrer schreiben bzw. lesen Weblogs und wollen damit Unterricht gestalten?

Wenn es dagegen einige gut informierte und engagierte KollegInnen gibt, die ein positives Verhältnis zu den (ganz) neuen Medien und auch Erfahrungen damit haben, dann wird das ganz anders vermittelt und überdies gewährleistet, dass es überhaupt flächendeckend stattfindet. 

Aber natürlich muss noch geklärt werden, ob dieses Fach für mehrere Jahrgänge konzipiert ist und welche inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt werden. Danach ließe sich darüber nachdenken, wie die Belange der einzelnen Fächer dabei berücksichtigt werden können.

Man könnte sich das - in einer abgespeckten Form - auch nach dem Modell der Methodentage bzw. -wochen vorstellen, die ja auch fächerübergreifend gestaltet werden. Also kombinierte Methoden- und Medientage bzw. -wochen, die pro Jahrgangsstufe ein- oder zweimal im Jahr durchgeführt werden.

Jedenfalls sollten wir - nicht nur in Ba-Wü - uns Gedanken machen, solange das Feld noch offen ist.

Beitrag verlinken am 08.06.2011 geschrieben
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Ich habe da einen anderen Vorschlag.

Wie wäre es, wenn die Schüler die Lehrer in "Medien und Kommunikation" unterrichten würden?
Die Fachleute sitzen doch in den Klassen. Es ginge schneller, man bräuchte nicht langwierig Medienkompetenz bei Lehrern schaffen, keine Kurse besuchen und keine trockenen Unterrichtseinheitren über Wikis und Blogs konzipieren.

Gut man müßte mehr spielen, facebooken und youtuben. Vor allem müßte man absteigen. Daran wirds wohl scheitern.

War nur so ein Gedanke.

Beitrag verlinken am 08.06.2011 geschrieben
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Hallo,

 

da kann ich doch glatt mal ein bisschen Senf dazu geben

Seit 2008 haben wir an der Lobdeburgschule Jena eine Profiloberstufe eingerichtet (die aber so nicht heißen darf...). Das Profil heißt "Medien und Kommunikation", Kernstück ist ein Oberstufenkurs (ganz regulärer, abiturrelevanter  3h-Kurs mit nach Thüringer Nomenklatur grundlegendem Anforderungsniveau). Der Kurs ist grad eben zum ersten Mal durchs Abi gegangen, die Folgejahrgänge sind im Nachziehen. Wir halten die Etablierung als separates Unterrichtsfach für sehr sinnvoll, das basiert auch auf den Thüringer Erfahrungen mit dem Integrativen Kurs Medienkunde (bislang Kl. 5-7, wird momentan bis auf Kl. 10 erweitert). Der läuft, wie der Name sagt, integrativ, wird also nicht extra im Stundenplan ausgewiesen, sondern an wechselnde Leitfächer gekoppelt. Das ist ganz sicher prinzipiell richtig gedacht, im Schulalltag jedoch absolut kontraproduktiv: Der Unterricht wird schnell beliebig, man benötigt keine Lehrbefähigung, in nicht wenigen Fällen wird es Verfügungsmasse für die Lehrereinsatzplanung. Dazu kommt, dass gerade bei medienbezogenen Themen der Zeitaufwand im Unterricht nicht unerheblich ist, das sollte sich  m.E. in einem entsprechenden Stellenwert im Curriculum niederschlagen. Ausführlicher dargestellt ist das in einem kleinen Blogbeitrag.

Die ersten Erfahrungen mit o.g. Kurs sind überwiegend positiv, aus unserer Sicht hat sich das Modell - an dem es durchaus Verbesserungsbedarf gibt - im Grundsatz bewährt. Struktur und Inhalte können hier eingesehen werden.

Noch einmal in aller Deutlichkeit: Selbstverständlich gehört Medienbildung und Mediennutzung in jedes Fach und hat oft genug auch dienenden Werkzeugcharakter, dennoch glaube ich, dass die Etablierung eines Faches - und sei es nur zeitweise (nur einige Unterrichtsjahre, ggf. Blockung o.ä.) aus prinzipiellen und unterrichtspraktischen Gründen ein guter Weg ist. Dazu bedarf es Ressourcen, engagierter und gut ausgebildeter Lehrer, Mut zum Experiment, Professionalität - und, ja, auch eines gewissen Status innerhalb der Institution Schule.

Just my 5 cents..

Viele Grüße, Uwe

Beitrag verlinken am 08.06.2011 geschrieben
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Das Schulfach „Medien und Kommunikation“ ist genauso überflüssig wie das Fach "Glück" (dazu lief heute in Bayern Alpha eine Talkrunde).

 

Wir laden seit dem letzten Jahr einen pensionierten Kriminalkommissar ein, zu dessen Aufgabengebiet die Online-Kriminalität gehörte. In allen Klassen der 7 gelingt es ihm durch ein strukturiertes, sehr praxisnahes Gespräch innerhalb einer Doppelstunde auf das Copyright, den Daten- und Persönlichkeitsschutz beim Gebrauch von Handy und Internet einzugehen.

 

Auch im Fach Politik/Wirtschaft (NRW) steht das Thema für Klasse 7 auf dem Lehrplan und im Schulbuch (TEAM 7/8, Politik/Wirtschaft, Schöningh 2009).

 

Mir erscheinen die neuen "Zeitgeistfächer" als Ausverkauf von Schule. Aber damit gelangt man natürlich in die Medien, um dann alles kaputt zu schwadronieren. Schön, dass wir mal drüber gesprochen haben ...

Beitrag verlinken am 08.06.2011 geschrieben
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Bei der Diskussion sollten zwei Dinge bedacht werden:

  1. Welche Inhalte brauchen die Schüler um durchs Leben zu kommen, Studierfähig zu sein und auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen?

  2. Was kostet das ganze (Lehrerstunden? Unterrichtszeit? Oder gar ganze Jahresstunden anderer Fächer, die dafür gekürzt werden?)

Ich denke, dass Wikis, Facebook-Gruppen etc. tolle Dinge sind, die Unterricht bereichern können. Ich glaube aber nicht, dass sie gelehrt werden MÜSSEN, da sie dem obigen Punkt 1 nicht entsprechen.

Die Frage sollte also nicht sein, welche medientechnische Inhalte KÖNNEN wir noch verpflichtend in die Schule bringen, sondern, was MÜSSEN die Schüler wissen um... naja Sie wissen ja... Punkt 1.

 

Wenn man sein Elektronische-Medien-Curriculum unter dieser Prämisse entwirft, schrumpfen die Inhalte schnell auf ein machbares Maß zusammen.

 

In der Regel sind dann jahrgangsbezogene Projekttage oder ähnliches völlig ausreichend, um Dinge, wie Urheberrecht, Datenschutz in sozialen Netzwerken, Mobbing im Internet etc. aber auch Arbeiten mit Tabellenkalkulations- und Präsentationsprogrammen zu vermitteln.

 

Der größte Zeitbedarf ist sicherlich in den unteren Jahrgangsstufen (bei uns Klasse 5) zu sehen. Hier müssen so viele Grundlagen gelegt werden, dass sich ein ITG-Unterricht (bei uns ¼ Jahr) lohnt.

 

Unterrichtsinhalte, die den Einsatz eines Computers voraussetzen, können meiner Erfahrung nach nicht verpflichtend den Fächern zugeordnet werden, da viele Kollegen sich nicht zutrauen einen Computer zu bedienen. Auch Fortbildungen und fertig ausgearbeitete Arbeitsblätter haben keine Chance gegen die Unsicherheit, die in Bezug auf elektronische Medien besteht. Ein Referat, das ein Schüler mit Präsentationsprogramm hält, ist das höchste der Gefühle. Allerdings nur, wenn der Schüler selbständig in der Lage ist das Gerät hochzufahren, an den Beamer zu schließen etc.

 

 

 

Beitrag verlinken am 09.06.2011 geschrieben
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Vielen Dank für diese anregenden Beiträge. Die Notwendigkeit, sich eingehende Gedanken zu machen, ist klar geworden.

Ich bin vor einiger Zeit von (m)einem Verlag gefragt worden, ob ich zur Neuauflage eines ITG-Arbeitsheftes (Klasse 5/6) bereit wäre. Anlässlich dieser Anfrage musste ich feststellen,

• dass es auch auf dieser Klassenstufe mit der Sicherung von Programmbedienungsfertigkeiten (Office usw.) nicht mehr getan ist, 

• dass die Medienerziehung jetzt sehr weitschauend in die Zukunft angelegt werden müsste,

• dass in wenigen Jahren die Unterrichtsmedien durchweg digitaler Art sein werden,

• dass größere Teile der Lehrerschaft diese Veränderungen nicht mitbekommen oder nicht mitgemacht haben (man bräuchte jetzt eine Art Intel-3-Kampagne)

• dass aus diesem Grund kein Verlag damit ordentlich Geld verdienen kann und von dieser Seite her keine Impulse zu erwarten sind.

Darum finde ich es umso interessanter, wenn von der Einrichtung eines solchen Faches Impulse (und Zwänge) ausgehen könnten. Ob das als neues Fach oder fachspezifisch integriert oder Projekt-artig gestaltet wird, ist die eine Seite. Zur anderen Seite, den inhaltlichen Dimensionen, versuche ich einen Blogeintrag zu verfasssen.

Beitrag verlinken am 09.06.2011 geschrieben
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Mir scheint, dass auch hier -  in etwas abgewandelter Form - der alte Streit um Inhalte und Struktur von Medienerziehung / Medienpädagogik / Medienkompetenzentwicklung / Medienbildung (die Reihe der z.T. ideologisch belasteten Begriffe kann nach Belieben fortgesetzt werden) weiterläuft. Ich würde sehr dafür plädieren, den Auftrag schulischer Medienbildung nicht auf die sog. Neuen Medien zu beschränken. Auch Film, Print, Rundfunk, Bild, durchaus auch eine altersgemäße Beschäftigung mit Medien- und Kommunikationstheorie, ökonomische und politische Rolle der Massenmedien, Manipulationspotential von Medien, etc etc gehören m.E. zu einer halbwegs umfassenden Bildung (ganz im Sinne von Menschenbildung) - und das geht dann über ein eher instrumentales Betrachten von Wiki, Blog und Co hinaus.

Bitte nicht falsch verstehen - ich möchte nicht traditioneller Medienpädagogik das Wort reden und bin ganz sicher ziemlich unverdächtig, Netzmedien, soziale Plattformen etc. gering zu schätzen - aber das Ziel von Medienbildung ist sicher mehr als die instrumentale Beherrschung des PC und Einsicht in angemessene Handynutzung, darf gern auch zur kritischen Reflexion aufrufen und sich nicht auf das unten erwähnte "Elektronisches-Medien-Curriculum" beschränken. So verstanden, eröffnen sich m.E. auch breitere Perspektiven auf die inzwischen ja nicht mehr so neuen Medien...

Beitrag verlinken am 09.06.2011 geschrieben
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Hallo Uwe,

"...Film, Print, Rundfunk, Bild, durchaus auch eine altersgemäße Beschäftigung mit Medien- und Kommunikationstheorie, ökonomische und politische Rolle der Massenmedien, Manipulationspotential von Medien, etc etc gehören m.E. zu einer halbwegs umfassenden Bildung (ganz im Sinne von Menschenbildung)..."

Vielen Dank. Bin voll einverstanden!

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