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Wikileaks - Einer gegen alle?

Beitrag verlinken am 24.01.2011 geschrieben
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Ich möchte die 3 Fragen aus dem letzten Beitrag von mario.hupfeld zum Anlass nehmen, mich auch hier für den Link von mriecken zu bedanken:

Dieser schwedische Dokumentarfilm WikiLeaks – Rebellen im Netz ist wohl nach wie vor das Beste, was im Internet über Wikileaks von den Anfängen bis heute zu finden ist.

Natürlich gibt es auch bei Wikipedia mindestens zwei umfangreiche Abhandlungen zu diesen Fragen:

WikiLeaks
Veröffentlichungen von WikiLeaks

Und auch ich versuche weiterhin, unter IT-online > Gesellschaft > WikiLeaks aufschlussreiche und aktuelle Materialien zu WikiLeaks bereitzustellen.


Abschließend habe ich aber noch 2 Gegenfragen an mario.hupfeld:

1. Besteht deine skeptische Sicht auch bei anderen Informationsquellen (Zeitung, Buch, Schulbuch, Radio, Fernsehen, Internet) oder greift sonst überall dein Staatsoptimismus?

2. Bei welchen anderen Informationsquellen konntest du bisher deine 3 Fragenkomplexe zu deiner vollen Zufriedenheit klären, bevor du sie genutzt hast?

Beitrag wurde am 26.01.2011 vom Verfasser bearbeitet
Beitrag verlinken am 24.01.2011 geschrieben
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Zu den Gegenfragen von schoe:

Wir kommen in ein komplexes Gebiet. Deswegen ist es schwierig in einer Art und Weise zu antworten, die den Rahmen hier nicht sprengt. Ich versuche es:

Zu 1.

Natürlich müssen immer alle Quellen ohne Ausnahme äußerst kritisch betrachtet werden. Das hat auch gar nichts mit Staatoptimismus zu tun, denn die meisten Medien werden ja zum Glück nicht vom Staat kontrolliert. Staatsoptimismus vielleicht insofern, alsdass ich an unser demokratisches System glaube. Genauso wie an staatliche Kontrollfunktionen (z.B. das Gewaltmonopol....).

Wenn man sieht, wo wir vor hundert Jahren waren, und was heute für Möglichkeiten da sind, dann ist eine Revoluzzer-Stimmung nicht angebracht. Verbraucherinformationsgesetz,
Umweltinformationsgesetz, Informationsfreiheitsgesetz ..... ein konspirativer Staat sieht doch anders aus. Natürlich gibt es immer noch viel zu verbessern.

 

Zu 2.

Streng genommen, kann man meine Kriterien natürlich nur auf wissenschaftliche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften anwenden. Und selbst dabei ist keine Information zu 100% objektiv. Ich würde mir z.B. auch Quellenangaben von Zeitungsartikeln wünschen, die uns irgendwelche Statistiken an den Kopf knallen.

Der Punkt den ich machen wollte war aber ein anderer: Information hat eine Verantwortung und immer 2 Seiten: Den Enthüller und den Enthüllten. Beide haben einen Anspruch auf eine faire Behandlung und Rechtsstaatlichkeit.

Bei einem Zeitungsartikel gibt es immer einen genannten Journalisten und eine klare Verantwortlichkeit. Zudem akzeptieren die meisten Zeitungen einen festgelegten Pressekodex.

http://www.presserat.info/inhalt/der-pressekodex/pressekodex.html 

Wichtig ist immer eine gewisse Transparenz. Wenn ein einziger Mensch darüber entscheidet was gerecht und was ungerecht ist, und demnach veröffentlicht werden MUSS, ist das immer schlecht.

Wikileaks fehlt diese Transparenz und ebenfalls ein Kodex. Es fehlt eine Chronologie der hochgeladenen Daten und es fehlen genauso "Journalisten", die sich verantwortlich für das veröffentlichte Material zeigen.

Diese  Hacker-Mentalität kann nur mit Staats-Paranoia und einem Robin-Hood Underground Image aufrechterhalten werden. Ansonsten verletzt sie rechtsstaatliche und auch journalistische Prinzipien.

 

Mein Wikileaks Fazit: Wikileaks hat viel in Bewegung gebracht und den Weg zu einem neuen Enthüllungsjournalismus gezeigt. Allerdings wird sie von falschen Leuten angeführt, die intransparent arbeiten und immer an der Grenze zur Verantwortungslosigkeit operieren.

Statt also Wikileaks zu viel Beifall zu schenken sollten vernünftigere Alternativen wie Openleaks unterstützt werden.

 

 

 

Beitrag verlinken am 24.01.2011 geschrieben
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Für meine Person darf ich sagen. Ich nehme mir das Recht heraus, die Bildzeitung zu lesen, auch wenn ich annehme, dass viele Berichte weder korrekt sind noch dort mit vorhandenen Informationen verantwortungsvoll umgegangen wird. Informationen, die ich aufnehme, brauchen nicht gerichtsverwertbar zu sein, sie brauchen mir nur zur Meinungsbildung zu verhelfen, die bei der Bildzeitung nicht immer dem Tenor des Gelesenen nahe kommt.

Ich danke für den Hinweis auf den Artikel über Ellsberg. Er zeigte mir, dass ich nur noch recht unscharfe Erinnerungen an die damaligen Zusammenhänge hatte. Für die hier geführte Diskussion beachtenswert fand ich folgenden Abschnitt:

"1969 regten sich erste Zweifel an der Rechtmässigkeit dieses Kriegs [des Vietnamkriegs] bei Ellsberg; […] Ellsberg beschloss, die hoch geheimen und in seinem Besitz befindlichen Papiere über den Vietnamkrieg publik zu machen, da sie, so Ellsberg, «auf 7000 Seiten zeigten, dass es keinen guten Grund gab für das, was wir taten». Die Papiere, im Sommer 1971 von der «New York Times» veröffentlicht, enthüllten ein massives Geflecht von Lügen; sowohl die Regierung Johnson als auch Richard Nixon hatten den Kongress wie die amerikanische Öffentlichkeit über Jahre hinters Licht geführt." (baz online)

Wenn Wikileaks ein "massives Geflecht von Lügen" der Obama-Administration entdeckt haben sollte, sollte es dieses aufdecken. Die bisherigen Nachrichten deuten mir nicht darauf hin, dass es gefunden worden ist.

Beitrag verlinken am 25.01.2011 geschrieben
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Wenn wir über Wikileaks diskutieren, so sollten wir freilich den Obergefreiten Bradley Manning nicht unerwähnt lassen, der der Whistleblower war, der die Dokumente an Wikileaks weitergab.

Er ist nach Mtteilung von Amnesty International seit Monaten unmenschlicher Behandlung ausgesetzt.

Mit der Begründung, er sei selbstmordgefährdet, wird ihm eine Behandlung zugemutet, die für mch einer Folter gleichkommt, so wird er u.a. alle 5 Minten im Schlaf gestört. (vgl. Bericht der Süddeutschen Zeitung)

Hier sehe ich keinen Anlass zu Staatsoptimismus.

Beitrag verlinken am 26.01.2011 geschrieben
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Schon 14 Beiträge zu WikiLeaks... schon mehr als 600-mal aufgerufen... die ersten 3 Beiträge auch über Google auffindbar...

Eine gute (Zwischen)Bilanz? Ich bin mir nicht (mehr) so sicher, dass wir hier (als Lehrer) ein gutes Bild abgeben. Brauchen wir vielleicht einen Moderator?

Trotz mehrerer Versuche scheint eine Versachlichung der "Kontroverse" nicht wirklich gelungen zu sein und ich sehe nicht, auf welcher Grundlage man hier (ln diesem Thread) über wichtige Aspekte dieses Themas wie Demokratie, Menschenrechte, Pressefreiheit... im Gespräch bleiben kann.

Ich möchte dies anhand der Begrifflichkeit der Beiträge von mario.hupfeld verdeutlichen und ich hoffe, dass ich nicht gleich belehrt werde, ich hätte alles aus dem Zusammenhang gerissen...

1. Beitrag:

  • Journalisten... verantwortungsvoll
  • WikiLeaks/Assange... Anarchist... unnötiger Klatsch... unverantwortlich... Sicherheitsrisiko... Menschenleben gefährden

2. Beitrag:

  • unser demokratisches System...
  • Zeitungsartikel... klare Verantwortlichkeit... Pressekodex... Transparenz
  • Wikileaks... Revoluzzer-Stimmung... Hacker-Mentalität... Staats-Paranoia... Verantwortungslosigkeit

Aber der Höhepunkt solcher "Argumentationen" ist der letzte Satz:

Statt also Wikileaks zu viel Beifall zu schenken sollten vernünftigere Alternativen wie Openleaks unterstützt werden.

Ich hoffe, dass Daniel Domscheit-Berg ein genauso fähiger oder sogar besserer Programmierer und Hacker und Journalist... ist wie Julian Assange und ich wünsche seinem Projekt OpenLeaks alles Gute.


Aber bleiben wir - bitte - auf dem Teppich: Bisher kennen wir OpenLeaks nur als Vorankündigung. Wie kann man etwas, das noch gar nicht existiert, hier ernsthaft als "vernünftigere Alternative" anpreisen???

Oder habe ich etwas ganz Wichtiges verpasst?

Beitrag verlinken am 27.01.2011 geschrieben
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Ich denke Informationsfreiheit ist ein sehr emotionales Thema.


Es tut mir leid, dass ich mit der Art meines letzten Beitrages
schoe den Eindruck vermittelt habe, ich wollte unsachlich an das Thema
herangehen.

Trotz der langen (etwas gezwungenen) Zitat-Liste an unsachlichen Wörtern ging es
im Prinzip um etwas sehr Konkretes und inhaltlich Substanzielles:

- !!Konzept!! Openleaks vs. Wikileaks [Link im früheren Beitrag]

- Rechtsstaatliche und Transparenz Mängel bei Wikileaks

In einer offenen, kritischen  Diskussion sollte insbesondere letzteres nicht
übergangen werden. Ich würde mich daher besonders über sachkundiges Entkräften.
meiner Kritik seitens der Wikileak-Fans freuen.

Durch diesen Diskussion-Thread habe ich auf jeden Fall schon jetzt einige neue positive Aspekte
von Wikileaks zu Überdenken gehabt.

Beiträge allerdings, die sich auf Kritik anderer
Beiträge und rhetorische Gegenfragen beschränken, halte ich für
wenig fruchtbar.

Beitrag verlinken am 28.01.2011 geschrieben
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14 Kommentare!

Ich wär ganz stolz, wenn ich als Blogger so viele auf einen Beitrag erhalten hätte. Und zur Diskssion: Anderswo finden sich schon mal über 30 Kommentare, bevor eine Diskussion in Gang kommt.

Dass in der Diskussion durchaus auch Emotionen beteiligt sind, liegt meiner Meinung nach aber nicht nur am Thema Informationsfreiheit.

Im Fall Wikileaks waren Whistleblower aktiv. Der letzte Whistleblower wird gegenwärtig so behandelt, dass AI es menschenunwürdig nennt. Der, der die Nachrichten weitergegeben hat, wird plötzlich unter dem Verdacht einer ganz anderen Straftat gesucht, die er an seinen Anhängerinnen begangen haben soll. Wieso kommt es gerade jetzt dazu?

Eine Weltmacht gerät weltweit in Erklärungsnöte. Eine Revolution könnte auf die Aktion von Wikileaks zurückzuführen sein. Die Bevölkerung mehrerer Länder wendet sich gegen ihre Unterdrücker.

Das ist zu Recht ein emotionales Thema.

Leid tut es mir, dass in diesem Fall der Underdog, zu dem ich so gerne halte, sich aus meiner Sicht nicht so vorbildlich verhalten hat, wie es vielen schien.

Ich will nicht, dass Whistleblower mal bei gutwilligen Bürgern zum Schipfwort wird. Wir brauchen Informationsfreiheit.

Beitrag verlinken am 10.02.2011 geschrieben
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Heute gab es bei ZEIT-Online ein sehr interessantes Video-Interview mit Daniel Domscheidt-Berg über Wikileaks und die Zukunft. Natürlich von einer derartig parteischen Person mit der gebotenen Skepsis zu beurteilen aber dennoch empfehlenswert.

Hier ist der Link:

http://www.zeit.de/digital/internet/2011-02/wikileaks-domscheit-berg-klage

Beitrag verlinken am 11.02.2011 geschrieben
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Aus der "Zukunft" noch mal zurück in die Gegenwart. Über 1000 Aufrufe dieses Themas weisen auf die aktuelle Bedeutung von WikiLeaks hin.  

Wir wissen - nicht zuletzt durch Wikipedia - dass es bei WikiLeaks seit 2007 Veröffentlichungen geheimer Dokumente insbes. zu folgenden Themen/Bereichen gab:   

  • Korruption in Milliardenhöhe in der Familie des ehemaligen kenianischen Präsidenten Daniel Arap Moi
  • Guantánamo-Bay-Handbücher
  • interne Dokumente der Julius Baer Bank & Trust Company
  • Aufzeichnungen der Scientology-Kirche
  • private E-Mails von Sarah Palin
  • Mitgliederliste der British National Party
  • Internetsperrlisten verschiedener Länder
  • Internes Dokument der Isländischen Kaupthing-Bank
  • Minton-Report über toxische Abfälle in der Elfenbeinküste
  • Entwurf des geheimen SWIFT-Abkommens zwischen der Europäischen Union und den USA
  • Abgefangene Pagernachrichten vom 11. September 2001
  • E-Mails der Climatic Research Unit
  • Veröffentlichung der Toll-Collect-Verträge
  • Kunduz-Feldjäger-Report
  • Pläne des US-Geheimdienstes CIA, WikiLeaks zu unterminieren
  • Das berüchtigte Video "Collateral Murder" der Zielkamera der Bordkanone eines US-amerikanischer Apache-Hubschrauber in Bagdad.
  • Geheimgehaltene Filmaufnahmen des Luftangriff bei Garani in Afghanistan
  • War Diary: Afghanistan War Logs
  • Planungsdokumente der Loveparade 2010
  • War Diary: Iraq War Logs
  • US Embassy Cables (Cablegate)

Diese Themen wurden von WikiLeaks (bzw. seinen Whistleblowern) nicht zufällig, wahllos aufgegriffen... sie stehen in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Konflikten und Aktivitäten meist außerparlamentarischer Kräfte... und die Veröffentlichungen haben diese Aktivitäten gestärkt und beflügelt! So wie die Veröffentlichung der Pentagon-Papiere nicht ohne die (weltweite) Friedensbewegung für die Beendigung des Vietnamkriegs verstanden werden kann, können auch die WikiLeaks-Veröffentlichungen nicht isoliert betrachtet werden: Diese Veröffentlichungen und die außerparlamentarischen Aktivitäten bedingen sich gegenseitig. Ich habe versucht, diesen entscheidenden Zusammenhang auf einer Webseite ansatzweise zu dokumentieren: IT-online > Gesellschaft > WikiLeaks 2

Viele der bisher veröffentlichten US-Depeschen sind mit Sicherheit nicht "belanglos" oder von "geringer Bedeutung". Brisante Beispiele findet man unter IT-online > Gesellschaft > WikiLeaks ... und Kabelgate hat nicht zuletzt auch etwas mit den Vorgängen in Tunesien und Ägypten zu tun...

Was uns hier (und in der Schule) in erster Linie beschäftigen sollte, sind die Geschehnisse, nicht die (theoretischen) Konzepte. Es geht (leider noch immer) um Guantánamo, es geht um wirtschaftliche und politische Missstände in aller Welt und es geht um die Kriege im Irak und in Afghanistan... 

Und es geht um Informationsfreiheit wie dies in dem Aufruf mehrerer deutscher Zeitungen Appell gegen die Angriffe auf Wikileaks zum Ausdruck kommt.

Wie immer man zu WikiLeaks und zu Julian Assange steht: Nehmen wir einfach zur Kenntnis, dass sich nicht nur Daniel Ellsberg dort engagiert. Mashable berichtet, dass die Chefredakteure der New York Times und des Guardian Assange ihre Hilfe zugesagt haben. Reuters meldet, dass WikiLeaks für den Friedensnobelpreis nominiert wurde.

Und vergessen wir Bradley Manning nicht, dem in den USA bis zu 52 Jahre Gefängnis drohen - danke Fontane44!

Es wäre Schade, wenn dieses Thema doch wieder auf die Ebene der Konzepte, Befindlichkeiten und Weissagungen abrutschen würde...
Beitrag verlinken am 16.02.2011 geschrieben
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WikiLeaks hat eine wichtige Funktion erfüllt, nicht ohne Grund wird es gelegentlich die mächtigste Website der Welt genannt. Diese Funktion gilt es zu erhalten. Die Vereinigung amerikanscher Naturwissenschaftler hat darauf hingewiesen, dass sie gegenwärtig ihre Funktion selbst zu zerstören droht. Dazu ein Zitat aus dem Artikel "Wikileaks" der Wikipedia:

"Die Federation of American Scientists lehnte WikiLeaks' Einladung, dem Beirat beizutreten, ab und begründete dies wie folgt: „Durch das Fehlen verantwortlicher redaktioneller Kontrolle können Veröffentlichungen sehr einfach zu einem Akt der Aggression oder einer Aufwiegelung zur Gewalt führen, nicht zu erwähnen den Eingriff in die Privatsphäre oder den Angriff auf den guten Geschmack.“"

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