Zu den Gegenfragen von schoe:
Wir kommen in ein komplexes Gebiet. Deswegen ist es schwierig in einer Art und Weise zu antworten, die den Rahmen hier nicht sprengt. Ich versuche es:
Zu 1.
Natürlich müssen immer alle Quellen ohne Ausnahme äußerst kritisch betrachtet werden. Das hat auch gar nichts mit Staatoptimismus zu tun, denn die meisten Medien werden ja zum Glück nicht vom Staat kontrolliert. Staatsoptimismus vielleicht insofern, alsdass ich an unser demokratisches System glaube. Genauso wie an staatliche Kontrollfunktionen (z.B. das Gewaltmonopol....).
Wenn man sieht, wo wir vor hundert Jahren waren, und was heute für Möglichkeiten da sind, dann ist eine Revoluzzer-Stimmung nicht angebracht. Verbraucherinformationsgesetz,
Umweltinformationsgesetz, Informationsfreiheitsgesetz ..... ein konspirativer Staat sieht doch anders aus. Natürlich gibt es immer noch viel zu verbessern.
Zu 2.
Streng genommen, kann man meine Kriterien natürlich nur auf wissenschaftliche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften anwenden. Und selbst dabei ist keine Information zu 100% objektiv. Ich würde mir z.B. auch Quellenangaben von Zeitungsartikeln wünschen, die uns irgendwelche Statistiken an den Kopf knallen.
Der Punkt den ich machen wollte war aber ein anderer: Information hat eine Verantwortung und immer 2 Seiten: Den Enthüller und den Enthüllten. Beide haben einen Anspruch auf eine faire Behandlung und Rechtsstaatlichkeit.
Bei einem Zeitungsartikel gibt es immer einen genannten Journalisten und eine klare Verantwortlichkeit. Zudem akzeptieren die meisten Zeitungen einen festgelegten Pressekodex.
http://www.presserat.info/inhalt/der-pressekodex/pressekodex.html
Wichtig ist immer eine gewisse Transparenz. Wenn ein einziger Mensch darüber entscheidet was gerecht und was ungerecht ist, und demnach veröffentlicht werden MUSS, ist das immer schlecht.
Wikileaks fehlt diese Transparenz und ebenfalls ein Kodex. Es fehlt eine Chronologie der hochgeladenen Daten und es fehlen genauso "Journalisten", die sich verantwortlich für das veröffentlichte Material zeigen.
Diese Hacker-Mentalität kann nur mit Staats-Paranoia und einem Robin-Hood Underground Image aufrechterhalten werden. Ansonsten verletzt sie rechtsstaatliche und auch journalistische Prinzipien.
Mein Wikileaks Fazit: Wikileaks hat viel in Bewegung gebracht und den Weg zu einem neuen Enthüllungsjournalismus gezeigt. Allerdings wird sie von falschen Leuten angeführt, die intransparent arbeiten und immer an der Grenze zur Verantwortungslosigkeit operieren.
Statt also Wikileaks zu viel Beifall zu schenken sollten vernünftigere Alternativen wie Openleaks unterstützt werden.