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Wikileaks - Einer gegen alle?

Beitrag verlinken am 04.12.2010 geschrieben
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Wikileaks hat mich bislang wenig interessiert. Der so diabolisch dreinschauende Julian A. auch nicht und dass er sich als Retter der freien Gedanken-Welt präsentiert, berührt mich unangenehm. Es ist auch klar, dass uns unsere Privatheit heilig sein muss (siehe Privacy-Options in Facebook und Co.).

ABER: In Wikileaks geht es nicht um Privatheit, sondern um Meinungsfreiheit und Machtpolitik. Und die jüngste Entwicklung, die massiven Angriffe auf und Eingriffe politischer Institutionen in das freie Internet zwingen zur Positionierung. 

Und da kann ich nicht umhin, mich für die Informationsfreiheit und gegen die staatlichen und geheimdienstlichen Eingriffe zu stellen. Dabei ist es zweitrangig, ob diese Informationen immer richtig und immer dem Weltfrieden dienlich sind. Darüber können schon gar nicht das US-Außenministerium oder die CIA bestimmen.

Mindestens genauso problematisch ist die Tatsache, dass das China-Syndrom (wir erinnern uns an Googles China-Problem) jetzt auch in den USA und wohl auch in Europa sich ausbreitet. 

Und was ist von Amazons Rückzug als Webhoster von Wikileaks zu halten? Geschah dies mit Rücksicht auf den Weltfrieden? 

Wie dem auch sei, ich muss mir jetzt doch noch die Mühe machen, bei Wikileaks reinzuschauen. Erstaunlicherweise haben sich Schweizer Piraten (Ein Lob der Neutralität!) der Plattform angenommen: www.wikileaks.ch oder ohne DNS: http://213.251.145.96. 

Beitrag verlinken am 04.12.2010 geschrieben
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  1. Die Veröffentlichung der Daten ist Unrecht
  2. Dass diese Daten so vielen Mitarbeitern in den US-Organen zugänglich waren, ist ebenfalls Unrecht
  3. Die Methoden der Informationsunterdrückung, wie sie gerade laufen, sind Unrecht
  4. Dass ich selbst teilweise sensible Informationen per unverschlüsselter Mail austausche, ist Unrecht

Wenn ich nicht will, dass Daten in die falschen Hände geraten, dann muss ich sie schützen. Ich kann Daten technisch so schützen, dass ich zurückverfolgen kann, wer diese Daten widerrechtlich weitergegeben hat - z.B. durch digitale, individuelle Wasserzeichen, z.B. innerhalb eines Merkmals, was für die Authentizität des Materials essentiell ist (Briefkopf, Logo etc.). Dann passiert sowas nicht so schnell, weil der A**** desjenigen ganz fix ab ist.

Und das Bewusstsein um die Sensibilität der Daten ist ein anderes, wenn der Grad der Überwachung beim Abruf und die Authentifizierungsmechanismen entsprechend sind. Wenn jeder im Ministerium einfach so daran kommt - an was kommt er denn noch alles heran und wie sicher sind meine Daten dann bei staatlichen Stellen in Deutschland aufgehoben?

Da haben bei den Amis anscheinend die Administratoren wieder einmal gegenüber den BWLern den Kürzeren gezogen. Und das ist peinlich und verdient jetzt wahrhaftig kein Mitleid. Ab zu Bittorrent damit, am besten noch über TOR-Server. Sollen sie mal sehen, wie sie dem Herr werden. Am Anfang der Kausalkette steht m.E. entweder ein lernunwilliger und beratungsresistenter public servant oder ein entsprechender BWLer - leiten ohne jede grundsätzliche Ahnung von technischen Abläufen...

Beitrag wurde am 04.12.2010 vom Verfasser bearbeitet
Beitrag verlinken am 07.12.2010 geschrieben
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Lars Gustafsson, der bei der Europawahl 2009 die schwedische Piratenpartei in einem Wahlaufruf unterstützt hatte (mit der Begründung Informationsfreiheit ist wichtiger als Urheberrecht) verließ die Partei am 25.8.2010 aus Protest gegen ihre Zusammenarbeit mit WikiLeaks, da es Todeslisten für die Taliban liefere. - Nach der Veröffentlichung von Hunderttausenden von Informationen, von denen die brisantesten von der Presse wegen dieser Gefahr absichtlich nicht veröffentlicht werden, ist die moralische Position von Wikileaks m.E. nicht besser geworden.

Beitrag verlinken am 16.01.2011 geschrieben
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Ein sehr problematisches Element von Wikileaks ist meiner Meinung nach, dass die journalistische Bearbeitung zum größten Teil entfällt. "Leaks" hat es immer gegeben, aber meist wurde vertraulich mit einem Journalisten besprochen, welche Informationen man verantwortungsvoll veröffentlicht , und welche nicht.

Diese Ebene fällt nun weg, und dadurch kommt im besten Fall auch unnötiger Klatsch heraus ("Teflon-Merkel") im schlimmeren Fall allerdings etwa Informationen, die Friedensverhandlungen oder Menschenleben gefährden.

Wikileaks könnte in dem Sinne einen Beitrag leisten, dass Kriegsverbrechen öffentlich werden (wie bereits geschehen) und Staaten immer damit rechnen müssen, dass ihre geheim-gemauschelte Politik öffentlich wird.

Das unselektive hochladen von Millionen Dokumenten finde ich hingegen unverantwortlich.  Es ist ein Sicherheitsrisiko für alle. Zudem haben ja auch Diplomaten und politiker ein gewisses Recht auf Privatssphäre.

Leider ist Assange kein Journalist, sondern Anarchist, und das tut der ganzen Sache nicht gut.

 

 

 

Beitrag verlinken am 18.01.2011 geschrieben
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Der vorangehende Beitrag (mario.hupfeld) wiederholt Befürchtungen und Missverständnisse wie sie in ersten entrüsteten Stellungnahmen in deutschen und amerikanischen Medien am Abend vor der Veröffentlichung der ersten Botschaftsdepeschen zum Ausdruck gebracht wurden. Inzwischen sind wir besser informiert und können z.B. in Wikipedia nachlesen:
Von den 251.287 internen Berichten und Lagebeurteilungen der US-Botschaften in aller Welt an das US-Außenministerium waren bis zum 15. Januar 2011 erst 2.428 Dokumente veröffentlicht.
Grund hierfür war, dass die Original-Berichte bisher nur an westliche 'Leitmedien'  gingen: The Guardian, Le Monde, El Pais, Der Spiegel sowie Spiegel Online, denen WikiLeaks vorab die Auswertung ermöglicht und die New York Times, die die Daten vom Guardian bekam.

Ich denke, dass kdautel schon in seinem Eingangsbeitrag die hier wichtigen Aspekte hervorgehoben hat. So sollte es beim Thema WikiLeaks nicht um Julian Assange gehen. Ich möchte ergänzen, dass es hier auch nicht um Lars Gustafsson oder um Daniel Domscheit-Berg gehen sollte, denn die Frage, wie man unter den gegebenen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen Whistleblower-Plattformen aufbaut, die Informanten und die Daten (vor den weltweit operierenden Geheimdiensten) schützt und verantwortungsbewusst verwaltet, wird wohl nicht in der ZUM-Unity entschieden werden können!

Auch scheint inzwischen klar zu sein, dass WikiLeaks mit seinen Veröffentlichungen gegen kein (amerikanisches) Gesetz verstoßen hat und es gibt daher auch keine Anklage vor irgendeinem amerikanischen Gericht. Meines Wissens ist auch der Vorwurf, dass frühere WikiLeaks-Veröffentlichungen "Todeslisten für die Taliban" sein könnten, bisher (Gott sei Dank) nicht belegt worden.

Ob WikiLeaks oder OpenLeaks... hier geht es um nicht mehr und nicht weniger als um Menschenrechte, um Meinungs- und Pressefreiheit, um (wahre) Informationen als Voraussetzung einer demokratischen Gesellschaftsordnung. Nicht nur in China und Russland werden Journalisten bedroht, wird die Presse und das Internet zensiert. In vielen anderen (auch europäischen) Ländern ist die Pressefreiheit zunehmend in Gefahr (Italien, Frankreich, Ungarn...). Und nun werden im "freien Westen" alle (Geheimdienst)Register gezogen und man bläst zur Jagd auf Assange und Wikileaks: Cyberattacken, Amazon, PayPal, Mastercard, Twitter...

Dies wurde schon Mitte Dezember 2010 von mehreren Tageszeitungen in einem gemeinsamen Appell gegen die Angriffe auf Wikileaks auf den Punkt gebracht.

Die massenhaften Proteste gegen diese Angriffe und die schnelle solidarische Einrichtung von weltweit über 1000 Spiegelservern von WikiLeaks haben bestätigt, was im Beitrag von kdautel zum Schluss schon anklang: WikiLeaks ist weit mehr als "Einer gegen alle"! Hier sind nicht mehr nur einige wenige Verschwörer tätig, hier ist eine weltweite Bewegung entstanden, in der schon Tausende Verantwortung übernommen haben. WikiLeaks steht in der guten Tradition eines Daniel Ellsberg, des wohl bekanntesten Whistleblowers (Pentagon-Papiere). Vermutlich hat WikiLeaks schon mit den bisherigen Veröffentlichungen weltweit einiges in Bewegung gebracht. Im Netz wird gerade diskutiert, inwieweit WikiLeaks zu den Protesten in den arabischen Staaten - insbesondere in Tunesien - beigetragen hat...

EineSammlung von Bildern, Filmen und Links auf aufschlussreiche Materialien findet man auch unter IT-online > Gesellschaft > WikiLeaks

Beitrag wurde am 26.01.2011 vom Verfasser bearbeitet
Beitrag verlinken am 20.01.2011 geschrieben
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Ellsberg hat recherchiert und Missstände aufgedeckt. Wikileaks stellt 250 000 Dokumente bereit, von denen offenbar nicht einmal 3000 journalistisch verwertbar waren und selbst von denen enthielten viele Belanglosigkeiten.

Die Traditionslinie von Ellsberg führt nicht zu Wikileaks.

Immerhin sollte nicht verschwiegen werden, dass Wikileaks jetzt angefangen hat den Kampf gegen Steueroasen aufzunehmen. Hier ist jede einzelne Steuerflucht von Interesse, aber auch das ist etwas ganz anderes als Ellsbergs Aufdecken von kriminellen Handlungen von Regierungsseite.

Beitrag verlinken am 21.01.2011 geschrieben
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Was in diesem Zusammenhang gerade im Netz passiert, ist in seiner Bedeutung und Tragweite (auch von mir) noch nicht abzusehen...

Wikileaks Mirror Network Map

Ich halte dies zumindest für sehr bedeutsam und freue mich daher über einen regen Meinungsaustausch. Aber lasst uns dabei - bitte - von Tatsachen ausgehen:

  1. Wikileaks stellte 250.000 Dokumente nur für Journalisten bereit. Nur 1% dieser Dokumente wurde bisher von Journalisten bearbeitet und ist uns bekannt. Die restlichen 99% kennen wir nicht und sie sind auch nicht von WikiLeaks abrufbar!

    Wikileaks Cablegate Eisberg (aktuell)

    Lasst uns aufhören, über den Inhalt von Dokumenten zu streiten, die wir (noch) gar nicht kennen können!

  2. 1970 brachte Daniel Ellsberg geheime Pentagon-Papiere an die Öffentlichkeit. Jetzt unterstützt er Wikileaks.
    Daniel Ellsberg (Bild: Keystone)
    Hier ein Artikel der Basler Zeitung: Den alten Whistleblower freuts
    Wer diesem Artikel nicht glaubt, der sollte mal unter "Daniel Ellsberg WikiLeaks" auf YouTube nachsehen. Dort gibt es unzählige (englische) Interviews mit ihm über WikiLeaks.
Beitrag wurde am 21.01.2011 vom Verfasser bearbeitet
Beitrag verlinken am 23.01.2011 geschrieben
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Mit hierher gehört auf jeden Fall diese Dokumentation:

http://vimeo.com/18047040

Es wird darin nochmals sehr hübsch erklärt, warum sich Wikileaks in dieser Art und Weise verhalten hat und wie die Arbeit noch vor wenigen Jahren aussah. Taktisch sehr klug. Jetzt noch ein Rechenschaftsbericht über die Verwendung der Spendengelder und auch die letzte ungeschützte Flanke verschwindet.

Auch habe den Film DVDisiert - er passt genau in eine Schulstunde, gehört aber besser in die erste von zwei Doppelstunden.

Gruß,

Maik

Beitrag verlinken am 23.01.2011 geschrieben
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Was mich nachdenklich macht, ist die Tatsache mit welchen Machtmittel man versucht die Veröffentlichung von Meinungen, die gegen amerikanische Interessen verstossen, zu verhindern.

Es werden Geldströme gestoppt, Plattformen entrissen und der Informationsaustausch verhindert. All das ist bei einer Einzelperson exemplifiziert worden, all das könnte aber auch Nationalstaaten passieren. Wikileaks ist ein Exempel an dem man ermessen kann, wie abhängig man auch als Nation von einigen wenigen Plattformen ist.

Volkswirtschaftlich zentrale Informationsflüsse und Zugriffsmöglichkeiten könnten einfach abgeschaltet oder behindert werden ohne die Möglichkeit einer Einflussnahme. Der Fakt, dass das bislang noch nicht geschehen ist, heißt nicht, dass das nicht geschehen kann.

 

 

Beitrag verlinken am 23.01.2011 geschrieben
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Der vorige Beitrag von HerbJust weist auf einen Staatspessismus hin, den ich relativ typisch für Wikileaks-Fans finde.  Das es der mächtigste Staat der Welt nicht geschafft hat und auch weiterhin nicht schafft, die für ihn unangenehmen Informationen zu unterdrücken sagt doch einiges über die tatsächliche Macht zur Informationsunterdrückung aus.

Ich habe auf die kritischen Worte von schoe hin einmal überprüft wieviele Dateien ich von Wikileaks herunterladen konnte. In der Tat sind das viel weniger als ich gedacht habe. Knapp 60.000 wohl.Die Serververbindungen sind allerdings unübersichtlich, es könnten mehr sein.

Leider konnte ich bisher keine vernünftige Chronologie über die Veröffentlichungen von Wikileaks finden. Falls jemand mehr weiß, wäre ich dankbar. Das Wikileaks Informationen zuerst und ausschließlich Journalisten Einsicht gewährt hat ist, soviel ich weiß, ein Novum in der Wikileaks-Strategie.

Für den Moment halte ich deswegen meine skeptische Sicht gegen Wikileaks aufrecht. Für mich sind folgende Fragen zu klären:

1. Wie haben die Wikileaks-Veröffentlichungen begonnen? Wurde von Anfang an mit der Presse zusammengearbeitet oder erst als es unvermeidlich erschien (ob es die Datenflut oder die unverantwortlichen Pannen waren, sei mal dahingestellt)?

2. Hat Wikileaks Dokumente ungeprüft (nicht auf Echtheit sondern auf Verantwortlichkeit gegenüber der Information) ins Internet gestellt und wie werden sie sich in Zukunft dazu verhalten?Waren es Pannen? Wie prüft Wikileaks generell Dokumente? Unter welchen Gesichtspunkten?

3. Gibt es für Wikileaks auch einen Moral-Code der private Informationen schützt?

 

Für Material über die Veröffentlichungschronologie und die Fragen wäre ich dankbar.

Es sind  sehr interessante Artikel in der Sueddeutschen erschienen, die ich leider gerade nicht da habe, ich werde sie nachliefern. Sie beschreiben den Umgang von Wikileaks mit dem Spiegel und anderen Medien (Informationen nur gegen garantierte bestimmte Anzahl von Cover und Hauptartikeln pro Jahr ). Die kritische Auseinandersetzung mit Wikileaks findet bezeichnender Weise überwiegend in Medien statt, die keinen "Vertrag" mit Wikileaks haben.

Mit Julian Assange liegt nun sehr viel Macht in der Hand von einem einzigen, dubiosen Charakter.

Von daher richte ich meine Hoffnung eher auf das kommende Openleaks, was mir sehr viel verantwortungsvoller zu sein scheint. Über das Konzept kann man unter dem folgenden Link mehr lesen:

http://www.sueddeutsche.de/digital/neues-portal-von-ex-wikileaks-mitarbeitern-so-funktioniert-openleaks-1.1035441

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