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5 Thesen zu Nachhilfe 2.0

Beitrag verlinken am 28.05.2010 geschrieben
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Unter Thesen zu Nachhilfe 2.0 habe ich 5 Thesen zur Nachhilfe mit oder trotz oder wegen Web 2.0 gepostet. Grund: Web 2.0 scheint im Bereich Nachhilfe noch nicht angekommen zu sein. Ich freue mich auf eine rege Diskussion.

Beitrag verlinken am 28.05.2010 geschrieben
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Du schreibst in deinen Thesen:

These 4: Die angebliche Notwendigkeit von Nachhilfe ist ein Zeichen schwerer struktureller Versäumnisse unseres Bildungssystems. Geeignete strukturelle Veränderungen würden die Notwendigkeit von Nachhilfe beseitigen. Diese Frage ist daher unabhängig von Web 2.0 zu beantworten.

Dem ist, finde ich, nichst hinzuzufügen.

These 5: Die Bildung unserer Kinder ruht schon immer auf drei Säulen und wird dies auch weiterhin tun: Unterricht in der Schule, unterstützende Maßnahmen im Elternhaus und Inanspruchnahme der Hilfe Dritter. Daran ändert auch Web 2.0 nichts.

Auch dem kann ich nur zustimmen.

Interessanter wird eine Auseinandersetzung mit dieser These:

These 3: Web 2.0 ist derzeit noch zu wenig verbreitet, die pädagogischen Konzepte stecken faktisch noch in den Kinderschuhen und auch die verwendeten Technologien müssen sich noch weiter entwickeln. Dies wird sich in ein paar Jahren geändert haben. Aufgrund der dann tieferen, breiteren und vor allem stärker individualisierten Möglichkeiten des Kompetenzerwerbs wird Nachhilfe eines Tages gar nicht mehr nötig sein.

Ich frage mich, ob manches Mal nicht "Web 2.0" zu sehr verabsolutiert wird: Das Web 2.0 ist genau so wie andere Phänomene zuvor kein Allheilmittel, für was auch immer. - Und mir geht eine These von Manfred Spitzer, die ich vor wenigen Tagen im Radio auf WDR2 hörte, nicht mehr aus dem Kopf. Sie sagte in etwa, wenn ich das jetzt noch recht erinnere, dass eigentliches Lernen nicht am Computer stattfinden könne. - Beim Begründungszusammenhang muss ich jetzt passen, da ich die Sendung Geistreiche Gehirne nur "mit halbem Ohr" gehört habe.

Auch an Spitzers Thesen gibt es natürlich Kritik. Aber es ist andererseits nicht zu leugnen, dass er einer der anerkanntesten Experten auf dem Gebiet der Neurodidaktik ist. - Und ich selbst kann zwar keine empirischen Studien beisteuern, frage mich aber auch immer wieder (und in letzter Zeit öfter), wie viel denn die "neuen" digitalen Medien tatsächlich vermögen: Mein Fazit: Sie sind häufig hervorragende Hilfesmittel (Medien), die das Lernen begleiten und erleichtern. Aber die tatsächliche Anwendung mancher digitaler Techniken führt oft eher zu Schaumschlägerei als zu tatsächlichem Lernen und Wissenserwerb. Krasseste Beispiele einer Anwendung digitaler Techniken, die "nach hinten" losgeht, sind für mich die zahlreichen "Referate", die per Copy & Paste aus Wikipedie etc. zusammengestoppelt werden und weder zu einem Lerneffekt beim "Referierenden" noch bei den Rezipienten solcher Machwerke führt.

Beitrag verlinken am 28.05.2010 geschrieben
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Nur eine kurze Anmerkung zu den "digitalen" Referaten:

Ich habe damit die gleichen schlechten Erfahrungen gemacht, aber wenn man ein Referat mit einer - richtig verstandenen - Präsentation verbindet, dann ergibt sich - notgedrungen - eine andere Situation.

Für IT-online habe ich dies in einem Entwurf so beschrieben:

  • Medienspezifische Lernziele:
    • Eine Präsentation ist eine visuelle Ergänzung zu einem Referat.
    • Eine Präsentation besteht aus mehreren (gleichartigen) Folien.
    • Die Eingangsfolie umreißt das Thema, präsentiert die Gliederung
    • Jede weitere Folie behandelt nur einen begrenzten Teilaspekt des Themas.
    • Die Kernaussagen werden in wenigen Sätzen zusammengefasst (die man zuvor verstanden haben muss!)
    • Sinnvoll sind nur kurze, deutlich lesbare Sätze, die jeder zeitgleich mitlesen kann (keine Bleiwüsten!).
    • Alle Aussagen werden möglichst durch Bilder oder andere Multimediaelemente illustriert.
    • Wenn eine Folie mehrere Aussagen enthält, werden diese nacheinander eingeblendet (animiert).
    • Fachbegriffe werden hervorgehoben und ggf. kurz erklärt.

Wenn man dies fordert, dann ist die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema (und damit ein Lerneffekt) kaum zu vermeiden.

Beitrag verlinken am 30.05.2010 geschrieben
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These 3 in Kurzform: Web 2.0 macht Nachhilfe unnötig. Unrealistische Utopie oder denkbare Vision? Was meint ihr?

Beitrag verlinken am 30.05.2010 geschrieben
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Ich formuliere mal extrem:

Einerseits: Bei Analphabeten nützt es nichts, es sei denn, es besteht aus Einzelunterricht per Skype, und der würde besser als Präsenzunterricht erteilt.

Andererseits: Wer sich nur nicht an das Lerntempo der Gruppe anpassen kann, der kann ohne Präsenzunterricht über Web 2.0 lernen.

Ein Beispiel dazwischen: Ich unterrichte gegenwärtig eine Ausländerin, die in einer Lerngruppe erfolglos war. Sie berichtet mir Formulierungsprobleme aus dem Alltag, und wir besprechen in ihrem Lerntempo, wie sich eine Aussage formulieren ließe. Oft muss ich mehrmals nachfragen, um zu verstehen, worum es geht. Wenn sie schriftlich formulieren müsste, wo ihre Formulierungsprobleme liegen, wäre sie vermutlich überfordert und meine Nachfragen wären vermutlich zunächst meist wenig zielführend. Der Zeitaufwand wäre immens.

Dabei steht zu hoffen, dass nach einer gewissen Übungsphase über Web 2.0 weitergearbeitet werden könnte (wenn es ihr denn zur Verfügung stünde).

Beitrag wurde am 30.05.2010 vom Verfasser bearbeitet
tagsStichwörter: Nachhilfe, Web 2.0
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