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Es geht gar nicht um individuelle Förderung: die großen, existentiellen ...

Beitrag verlinken am 18.04.2010 geschrieben
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Alle Individuen bestehen aus Körper Seele und Geist. Der Körper wird mindestens dreimal am Tag gefüttert und gepflegt. Geist und Seele dürfen zuschauen, wir lassen sie ganz selbstverständlich hungern.


Wenn das Kind in die Schule muss, wird es auf "Schulreife" geprüft; auf "Kindreife" prüft man die Schule nie. Wird es zugelassen, so wird erwartet, dass es sich "den Erfordernissen" unterwirft, dass es sich in "die Gegebenheiten" einfügt, dass es willig mitmacht. Wenn es seinen "eigenen Kopf" behalten will, wird es ermahnt, gerügt, bestraft, diszipliniert. Es wird nichts unversucht gelassen, aus allen Kindern "Schüler" zu machen. Da wirkt es doch etwas scheinheilig, wenn die Pädagogik nach der allgemein nivellierenden Ein-Schulung alle "individuell behandeln" will; dafür müsste erst einmal die Pädagogik außer sich selbst etwas kennen und zulassen.


Ist es nicht ein sadistisches Spiel, wenn wir formal und technisch verschiedene Arrangements sog. individueller Förderung für Kinder komponieren, deren Seele und Geist a) von der Pädagogik mit Noten und Punkten und teilweise hochgiftigen "Bemerkungen" abgespeist, b) allzuoft abgewertet, gekränkt, gedemütigt, erniedrigt und auf alle erdenkliche Weise erpresst werden oder c) gar nichts zur Stärkung und Belebung bekommen?


Ist es nicht unmenschlich, wie wir - leider gar nicht so selten - im Namen der Förderung des Kindes versuchen, Eltern über den Tisch zu ziehen? Ich gebe ein kurzes Beispiel: Nadine, 5. Klasse L. Die Lehrerin bedrängt die Eltern massiv, der Einweisung in die geistigbehinderte Schule zuzustimmen, damit das Mädchen dort besser gefördert werden kann. Ich verbringe 3 Stunden mit dem Kind in der Familie. Nadine zittert buchstäblich, wenn sie 1 + 1 zusammenzählen soll. Ich sag ihr, sie soll es doch an den Fingern abzählen. Das darf sie nicht, sagt sie. Ja, Du lieber Himmel: Es gibt Minister, die zählen im Fernsehen öffentlich mit den Fingern! Und eine Schule bringt nichts weiter zustande in 5 Jahren als ein Kind in Panik zu stürzen, wenn es rechnen soll!


Ich garantiere Nadine, dass ich ihr zu 100 % auf mein Risiko zeige, dass sie schwere Aufgaben aus der 4.Klasse Grundschule richtig rechnen kann. Wenn jemand was dran auszusetzen hat, kriegt ers mit mir zu tun! Wir besiegeln mit Handschlag, dass sie ein GENIE ist und dass ich ein Autogramm bejkomme, wenn sie erst berühmt ist; ich glaube an sie. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. DAS ist individuelle Förderung; die ist erst dann echt, wenn sie aus dem üblichen päd. Trott herausfindet.


Nach einer 3/4 Stunde addiert sie - ich hab es ihr schrittweise vorgemacht mit Begeisterung für ihre Talente - locker mindestens 5 Millionenbeträge. Jetzt hat sie die bestätigung, DASS SIE ES KANN. Nur dafür lohnt es sich, zu lernen und zu leben. Und genau das vermasselt einem die formale Pädagogik ständig - auch und gerade wenn sie "individuelle Förderung" spielt. Nadine rechnet jetzt geradezu GIERIG, sie will gar nicht mehr aufhören. Meine immer wieder erneuerte ANERKENNUNG zieht sie sich rein wie eine Verdurstende. Wie konnte man dieses Kind 5 Jahre lang fast verdursten lassen?????


Nadine hat jetzt eine Ausstrahlung: meterweit. Ihre Augen leuchten. Der Körper hat Spannkraft. Sie ist aufgerichtet. Wann hat sie zuletzt solche LEBENSFUNKTIONEN gehabt? Wenn wir die Vitalfunktionen unserer Schüler regelmäßig messen würden, müssten wir womöglich öfter den Notarzt rufen. Nadine ist glücklich. Glücklich durch Rechnen: das was in der Schule das Grausligste für sie war.


Am Montag drauf ruft mich ihre Lehrerin an. Sie hat das Ergebnis mitgekriegt. Wie ich dazu gekommen bin, möchte sie wissen. Wenn es eine Frage gewesen wäre, hätte ich ihr helfen können, aber es war ein Vorwurf. Nadines Erfolg hat ihren Versuch erschwert, das Kind in die G-Schule zuschieben, damit es dort besser individuell gefördert werden kann.


Sind es nicht in den meisten Fällen wir Lehrer, die es viel, viel dringender als die Kinder bräuchten, dass jemand erkennt, wie ausgetrocknet unsere Seele ist und wie dringendst sie eine Erfrischung und Stärkung braucht?


Als Ich-kann-Schule-Lehrer sehe ich, dass die größten Probleme in der Schule ALLE gemeinsam haben: Kinder, Eltern und Lehrer. Bei allen sind die feinsten und für das Leben zugleich wichtigsten Kräfte von Geist und Seele in einem katastrophalen Zustand und sie sind alle leider gerade durch Pädagogik voller größten Unverständnisses für diese, ihre existentielle Realität.


Mit freundlichen Grüßen


Franz Josef Neffe

Beitrag verlinken am 20.04.2010 geschrieben
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Der Beitrag hat mich ergriffen. Als ehemaliger Lehrer am Gymnasium sehe ich viele Gegebenheiten auch so. Doch für mich ist das Ansporn, mit meiner Berufserfahrung den Kollegen aus diesem Schlamassel Wege zu zeigen, nicht zu weisen.Meine Zielgruppe sind aber die Gymnasien und die Schulgeographen.

Der Ansatz "Kultur der individuellen Förderung", ein Ansatz aus NRW, ist für mich Kernziel. Wie lässt sich dies in der realen Schulwelt umsetzen? Dass dabei auch die existentiellen Probleme von Lehrern und Schülern bewältigt werden müssen, das ist für mich Teil des Schulalltags.

Ich hatte ein persönliches Lehrererlebnis in 2003, das mich bis heute leitet, weil Schüler, Kollegen und Eltern plötzlich im gleichen Boot saßen. Eine simple Unterrichtsidee, dokumentiert unter http://satgeo.zum.de/reisebuero/start.htm, brachte eine individuelle Förderung, nicht nur für die Schüler, sondern auch für die teilnehmenden Kollegen und sogar für die Eltern.

Dieses Beispiel trägt mich in meinem Denken und Handeln als Lehrer-Senior. Jetzt versuche ich eine Fortsetzung über den digitalen USB-Stick mit portabler Software, mit einem fachlichen Wissensangebot, mit einem Offline-Wiki, einer On-&Offline-Website, einem Offline-Blog. Jeder Schüler und Lehrer kann über dieses Werkzeug seine Defizite im digitalen Bereich überwinden. Das Werkzeug soll persönliche Selbstsicherheit vermitteln.

Die ZUM-Unity wird dazu ein wesentlicher Dienstleister sein, so hoffe ich.

 

Beitrag verlinken am 29.04.2010 geschrieben
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@ f.j.neffe

Zunächst einmal ganz große Zustimmung zum Credo des Beitrags: Geist und Seele der Kinder und Jugendlichen dürfen in unseren Schulen nicht (ver)hungern – wir müssen ihnen anregende, herausfordernde und relevante Lernangebote machen, die einen Lebensweltbezug haben (an ihren Alltag / Erfahrungshorizont anknüpfen) und ihnen Perspektiven eröffnen. Auch im zweiten Punkt bin ich einer Meinung mit dem Autor: Damit schulisches Lernen erfolgreich sein kann, sind Ermutigung, Anerkennung und Wertschätzung eine unverzichtbare Voraussetzung: Nur wenn ich den Heranwachsenden etwas zutraue und ihren Fortschritt auch als solchen wertschätze, können sie die Erfahrung machen, dass sie erfolgreich sein und etwas „bewirken“ können. Diese Selbstwirksamkeitsüberzeugung ist die Grundlage für Motivation – übrigens nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei Lehrkräften.

Diese wertschätzende Haltung der Lehrkraft gegenüber dem Kind und das Bemühen, dass jeder einzelne Schüler seinem Lern- und Entwicklungsstand entsprechend so unterstützt wird, dass er seine Kompetenzen so gut wie möglich erweitern kann, macht für mich im Kern individuelle Förderung aus (vgl. auch die Definition von Kunze/Solzbacher 2008: Im Vordergrund der individuellen Förderung steht, dass Lehrer jede Schülerin und jeden Schüler „unter Berücksichtigung ihrer/ seiner spezifischen Lernvoraussetzungen, -bedürfnisse, -wege, -ziele und –möglichkeiten“ unterstützen).

Insofern kann ich nicht ganz nachvollziehen, warum "individuelle Förderung" im Beitrag so negativ besetzt ist. Ich kann nur vermuten, dass unter diesem Begriff ganz andere Dinge verstanden werden, als ich sie oben ausgeführt habe. Ein Kind auf eine Schule für Geistigbehinderte auszusondern, wenn es – wie im Beitrag beschrieben – das Potenzial hat, auf der allgemeinbildenden Schule erfolgreich zu sein, ist ja genau das Gegenteil von individueller Förderung: In diesem Beispiel sollte „Nadine“ aus ihrem sozialen Klassenkontext herausgerissen und auf eine andere Einrichtung abgeschult werden. Es wurde nicht oder nicht ausreichend versucht, ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten in den Mittelpunkt zu stellen und ihr zu helfen, die Möglichkeiten, die in ihr stecken zur Entfaltung zu bringen. Es fehlte die Einstellung / Haltung, dass Nadine es schaffen kann – und vielleicht auch das pädagogische Repertoire, sie angemessen zu fördern (das kann ich natürlich nicht beurteilen…). Individuelle Förderung heißt auch, Verantwortung für jeden einzelnen Schüler zu übernehmen und nicht, diese Verantwortung durch Nichtversetzung oder Abschulung schnellstmöglich wieder abzugeben.

Um möglichst viele Schülerinnen möglichst weit bringen, muss ich aber mit ihrer Unterschiedlichkeit konstruktiv und produktiv umgehen. Und Schüler sind immer unterschiedlich. Selbst am Gymnasium gibt es Schüler, die z. B. in Mathe leistungsstark, in Englisch aber nur mittelmäßig sind – und umgekehrt. Homogene Lerngruppen sind eine Fiktion. Insofern braucht man im Unterricht Instrumente und Verfahren bzw. Methoden, um angemessen auf die Unterschiedlichkeit der Schüler einzugehen. Das kann individuelle Förderung leisten – an jeder Schulform! Und an dieser Stelle habe ich bei der Lektüre des Beitrags wirklich die größten Verständnisschwierigkeiten gehabt: Warum soll es ein "sadistisches Spiel" sein, „wenn wir formal und technisch verschiedene Arrangements sog. individueller Förderung für Kinder komponieren“? Natürlich benötigen wir fächerverbindende, biographie-orientierte, handlungsbezoge, reflexive, ganzheitliche Lernarrangements im Unterricht. Wie sonst können wir die Schüler aktivieren und ihre Leistungen wertschätzen? Oder habe ich diese Passage falsch verstanden? Über eine lebhafte Weiterführung der Diskussion an dieser Stelle würde ich mich freuen.

Christian Ebel

Beitrag wurde am 29.04.2010 vom Verfasser bearbeitet
Beitrag verlinken am 06.05.2010 geschrieben
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Ich möchte nicht über den Sinn oder den Unsinn von Noten sprechen und auch nicht über das Schulsystem selbst. Auch Lernpsychologische Aspekte lasse ich hier außen vor.

Es stellt sich beim im Leitartikel gemachten Vorwurf gegen die individuelle Förderung nur eine Frage: Wenn sie doch so negativ ist, wie im Artikel dargestellt, wieso begründet der Autor dann, dass er mit INDIVIDUELLER FÖRDERUNG das beschriebene Kind zu Erfolgen führt?

In den weiteren Beiträgen wurde bereits die Antwort gegeben: Individuelle Förderung heißt: Einen persönlichen Bezug zu dem Kind herstellen und sich Zeit für die je spezifischen Probleme zu nehmen. Darin liegt das Problem: Auf Grund der mangelnden Zeitvorräte für den Einzelnen, können wir das in der Schule nicht! Die beschriebene Eins-zu-Eins-Situation schafft aber ganz andere Möglichkeiten! Diese bitte ich zu bedenken!

Als Grundschullehrer weiß ich, dass individuelle Förderung das einzige ist, das unseren Kindern noch gerecht wird. Differenzierung ist das A und das O! Das aber bedeutet viel Aufwand! Dass unsere Pädagogik sich wandeln sollte, kann ich nicht unterstützen! Wir sollten sie aber indes so leben, wie sie gemeint ist!

MArtin

 

Beitrag wurde am 06.05.2010 vom Verfasser bearbeitet
Beitrag verlinken am 06.05.2010 geschrieben
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Wir haben soviel EINFLUSS wie wir genau sind. Den persönlichen Bezug zum Kind HABEN wir schon, und wenn wir, statt diesen recht zu bedienen, noch einen weiteren herstellen, produzieren wir Verwirrung. Nicht selten wird die dann mit den üblichen Schablonen als LERNschwierigkeit des Kindes festgehalten und großgepflegt, und sie ist doch im Grunde eine übersehene LEHRschwierigkeit.

Wenn wir so in der unbewussten Problemproduktion fleißig sind, muss logischerweise die Zeit (und nicht nur diese) knapp und immer noch knapper werden. Dabei müsste doch bei effizienter Arbeit immer mehr Zeit übrig bleiben.

Aus der Perspektive des Ich-kann-Schule-Lehrers vermag ich nicht zu erkennen, dass "mehr Zeit fürs Kind" gleich mehr Problemllösung ist; im Gegenteil! Schon bei meinen IKS-Untersuchungen während meiner Ausbildung erlebte ich, wenn sich der Lehrer einzeln ums Kind kümmerte danach eher eine Problemvermehrung als die Lösung. Wir sollten aus diesem Wahn endlich aufwachen und die üblichen Beschwörungsformeln unterlassen. Natürlich kann die Eins:Eins-Situation eine echte Hilfe sein, aber sie ist nicht derStandard für Problemlösung.

Für echte Problemlösung müsste die Schule vielmehr endlich wenigstens soviel Gerundkenntnisse über SUGGESTION erwerben, dass sie nicht ständig über ihre eigenen SUGGESTIVEN WIRKUNGEN stolpert - ohne irgendein Verständnis davon.

Statt der individuellen Förderung würde ich mir erst einmal einen achtsamen Umgang mit den Talenten - sowohl jener der Kinder als auch der eigenen - wünschen. Wir verüben oft Förderung an Kindern und brechen dafür in ihre Intimsphäre ein - ein Frevel mit eindeutigen Folgen: die Probleme WACHSEN. Wir verteilen oft die nicht einmal erkannten Talente der Kinder wie der Metzger seine Würste; wir werfen sie einfach in den Rahmen, der uns gerade passt. Und dann meinen wir, weil das ganze einen lateinischen Namen hat, sei es noch was Besonderes. In die A&O-Flöte für Differenzierung blase ich nicht. Differenzierung ist - wie alles übrige - genau so gut wie die GEISTIGE QUALITÄT, die wir ihm geben. In der IKS geht es darum nicht um Techniken, Methoden oder Begriffe sondern um die QUALITÄT, die am Ende dabei herauskommt.

Ich grüße herzlich.

Franz Josef Neffe

 

Beitrag verlinken am 07.05.2010 geschrieben
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f.j.neffe:

Wir haben soviel EINFLUSS wie wir genau sind. Den persönlichen Bezug zum Kind HABEN wir schon, und wenn wir, statt diesen recht zu bedienen, noch einen weiteren herstellen, produzieren wir Verwirrung. Nicht selten wird die dann mit den üblichen Schablonen als LERNschwierigkeit des Kindes festgehalten und großgepflegt, und sie ist doch im Grunde eine übersehene LEHRschwierigkeit.

Leider kann ich einen vorhandenen persönlichen (!) Bezug in der Beziehung zwischen Lehrer und Schüler häufig nicht erkennen! Insofern ist das Problem nicht in einem wie auch immer installierten Doppelbezug (Was auch immer das ist?), sondern in einer fehlenden Bindung.

Die Lernpsychologie lehrt uns, dass das persönliche Klima, das durch eine enge persönlich Bindung geschaffen wird, SEHR wichtig für das Lernen des Kindes (Nicht das Lehren des Lehrers!) ist. Gleichwohl muss der Lehrer natürlich offen sein, einen persönliche Bezug zu seinen Schützlingen herzustellen.

f.j.neffe:

Wenn wir so in der unbewussten Problemproduktion fleißig sind, muss logischerweise die Zeit (und nicht nur diese) knapp und immer noch knapper werden. Dabei müsste doch bei effizienter Arbeit immer mehr Zeit übrig bleiben.

Je enger der Bezug zu einem Kind und damit die Beziehung zu ihm wird, desto mehr Zeit nimmt sie in Anspruch. Auf keinen Fall darf ich mich als Lehrer darauf verlassen, dass die Beziehung schon stimmt und nun kann ich mich mit weniger Eifer an die Arbeit machen. Enger Bezug fordert mehr Zeit!

f.j.neffe:

Aus der Perspektive des Ich-kann-Schule-Lehrers vermag ich nicht zu erkennen, dass "mehr Zeit fürs Kind" gleich mehr Problemllösung ist; im Gegenteil! Schon bei meinen IKS-Untersuchungen während meiner Ausbildung erlebte ich, wenn sich der Lehrer einzeln ums Kind kümmerte danach eher eine Problemvermehrung als die Lösung. Wir sollten aus diesem Wahn endlich aufwachen und die üblichen Beschwörungsformeln unterlassen. Natürlich kann die Eins:Eins-Situation eine echte Hilfe sein, aber sie ist nicht derStandard für Problemlösung.

Obwohl ich nicht genau weiß, was ein "Ich-kann-Schule-Lehrer" ist und ich auch nicht weiß, welche Untersuchungen genau durchgeführt wurden, so weiß ich doch, dass ich in meinem beruflichen Werdegang durch den persönlichen Bezug und die daraus erwachsene Enge Bindung zwischen mir und meinen Schülern eine gute Grundlage schaffen konnte für den Zugang zum Individuum! Einen Schüler und sein Leben wirklich (!) zu verstehen ohne dabei eine Privatsphäre zu verletzen (Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, wie ich die Privatsphäre eines Schülers verletze, wenn ich ihn verstehen will und ihm die Möglichkeit geben möchte, einen individuell für ihn maßgeschneiderten Lehr-Lernweg zu finden?!) heißt, ihm den bestmöglichen Lehrweg anzubieten und Alternativen bei gescheitertem Vorgehen abzuwägen.

f.j.neffe:

Für echte Problemlösung müsste die Schule vielmehr endlich wenigstens soviel Gerundkenntnisse über SUGGESTION erwerben, dass sie nicht ständig über ihre eigenen SUGGESTIVEN WIRKUNGEN stolpert - ohne irgendein Verständnis davon.

Auf keinen Fall möchte ich, dass Kinder manipuliert werden. Ich will sie ja nicht verändern, sondern mich ihnen anpassen, um ihnen dann einen guten Lernpfad anbieten zu können. Das ist das, was die Pädagogik können muss! Verändern im Sinne von "Lernen ist eine Verhaltensänderung" könnte ich noch verstehen.

f.j.neffe:

Statt der individuellen Förderung würde ich mir erst einmal einen achtsamen Umgang mit den Talenten - sowohl jener der Kinder als auch der eigenen - wünschen. Wir verüben oft Förderung an Kindern und brechen dafür in ihre Intimsphäre ein - ein Frevel mit eindeutigen Folgen: die Probleme WACHSEN. Wir verteilen oft die nicht einmal erkannten Talente der Kinder wie der Metzger seine Würste; wir werfen sie einfach in den Rahmen, der uns gerade passt. Und dann meinen wir, weil das ganze einen lateinischen Namen hat, sei es noch was Besonderes. In die A&O-Flöte für Differenzierung blase ich nicht. Differenzierung ist - wie alles übrige - genau so gut wie die GEISTIGE QUALITÄT, die wir ihm geben. In der IKS geht es darum nicht um Techniken, Methoden oder Begriffe sondern um die QUALITÄT, die am Ende dabei herauskommt.

Qualität ist für mich, wenn die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler stimmt, ein gutes Lernklima herrscht und vor allem der Lehrer den Schüler so gut kennt, dass er sich seiner Stärken und Schwächen annimmt. Das MUSS dringend individuell sein, sonst verkommt es wieder zu einem Einheitsbrei!

MArtin

 

Beitrag verlinken am 20.05.2010 geschrieben
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Der persönliche Bezug ist immer gegeben. Er ist zunächst einmal sehr fein. Die Pädagogik hat es nicht mit dem Feinen, sie geht allzuoft davon aus, dass das Leben erst anfängt, wenn sie etwas gemacht hat. Wenn sie die feinen Entwicklungen, die ihr unbewusst sind, ignoriert, und auf diese drauf ihre Maßnahmen durchführt, hat sie es mit 2 Faktoren zu tun - ob ihr das bewusst wird oder nicht.

Klima ergibt sich nicht sondern verändert sich bereits durch die Schaffung von Bindungen: siehe das Anbinden der Ziege an den Pflock! Es ist schlicht eine Illusion, dass das, was zwei miteinander tun, nur für einen wichtig wäre. Wir Lehrer sollten zum sorgfältigen Spurenlesen endlich herunter vom hohen Ross. Der "persönliche Bezug" lässt sich nicht herstellen; wenn der Lehrer sensibel ist, merkt er in welcher Qualität dieser Bezug da ist, und kann sensibel weiter so mit den Kräften umgehen, dass ES sich weiterentwickelt.

Ich plädiere für eine SENSIBLE BEZIEHUNG statt für eine enge. Und für die brauche ich nicht mehr Zeit (chronos) sondern eine bessere Qualität von Zeit (chairos). Wenn ich einmal einem Menschen in einer Existenzkrise wirklich geholfen habe und er weiß, ich bin da, dann brauche ich keineswegs dauernd an seiner Seite stehen und ihn dauernd "fördern", ganz im Gegenteil!

Den Zugang zum Individuum - ich sage: zu Seele und Geist des Menschen - hast Du Dir nicht geschaffen sondern Du warst im Umgang mit den Seelen- und Geisteskräften Deiner Schüler so sensibel, dass sie ihn Dir gewährt haben. Das ist ein FEINER Unterschied und Du verdankst Deine so feinen Erfolge dem FEINEN Umgang mit Deinen FEINEN Talenten. Du hast dem ICH-KANN Deiner Schüler Achtung gegeben und dafür eben solche bekommen. Wo wir auf das DU-MUSST drängen, stauen sich nur die Energien. Die Ich-kann-Schule ist einfach ein Vergleichsmodell zur Du-musst-Schule.

Gerade wenn wir andere nicht manipulieren wollen, müssen wir uns sehr genau ansehen, welche Wirkung wir wodurch haben und was sonst noch alles wie wirkt, d.h. alle Pädagogen müssten sich schon längst grundlegend mit Suggestion befassen, schon weil alles, was der Mensch tut oder nicht tut, SUGGESTIVE WIRKUNG hat. Wenn wir die Gesetze dieser Wirkung verstanden haben, können wir auch unsere Verantwortung dafür übernehmen. Die Pädagogik trickst sich hier selber aus mit ihren Beschwörungsformeln, Pädagogik sei keine Suggestion. Pädagogik ist immer Suggestion, und davon dass sie den Kopf in den Sand steckt, werden Probleme nicht gelöst sondern neue hervorgerufen. Gerade wo sie nicht manipulieren will, ist die Pädagogik nichts als Manipulation.

Ja, Klima und BeZIEHung brauchen Qualität, und die erkennt man an jenem feinen ZIEHEN, in dem gegenseitig Bedürfnisse wahrgenommen, geachtet und beantwortet werden. Ja, und das geht nur individuell - ich sage lieber: persönlich. Der gute Pädagoge ist nicht nur den Schülern sondern insbesondere ihren TALENTEN - und da besonders denen, die es noch zu entwickeln gilt - ein verlässlicher und auch fordernder Partner. Daraus kann etwas erwachsen, was nicht gemacht werden kann. Guten Erfolg!

Franz Josef Neffe

 

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