In meinem Deutschkurs lasen wir unter dem Aspekt "Analyse eines argumentieren Textes" den Leitartikel aus der ZEIT vom 21. Februar mit der Überschrift "Pädagogisch wertlos". Der Autor Thomas Kerstan argumentiert darin, wie der Titel andeutet, für die Abschaffung der Nichtversetzungspraxis (einfacher: des Sitzenbleibens) bei schlechten Schulleistungen. Wir fanden den Artikel gut, die Argumentation transparent und die Argumentationsweise anregend. Die unterrichtlichen Behandlung des Artikels, die angemessen ausführlich war, endete mit einer Abstimmung. Darin sprach sich die überwältigende Mehrheit für die Beibehaltung des Sitzenbleibens aus. Was für eine Überraschung!
Wie erklärt sich dies?
An der mangelnden Qualität des Artikels kann es nicht gelegen haben.
Auch nicht - so wage ich zu behaupten - daran, dass es sich hier um Gymnasiasten in der Endphase ihrer ...
[mehr]
Wieder eine interessante Erfahrung mit E-Mails im Unterricht gemacht: Wie in den Jahren zuvor habe ich an meinen Kurs eine Textsammlung per E-Mail verschickt mit dem Auftrag, die Datei auszudrucken und in den Unterricht mitzubringen. Über die Hälfte hatte nichts dabei! Auf genaueres Nachfragen hin stellte ich fest, dass bei nicht wenigen die E-Mail durchaus zur Kenntnis genommen worden war - aber auf dem Handy.
Das ist eine neue Situation, über die man nachdenken sollte.
Was ist für Schüler das Wichtigste am Internet? Das Kommunizieren! Dazu reicht das Händi, das ist immer dabei. Dazu muss man auch nicht auf einer ausgewachsenen Tastatur mühselig und mit zehn Fingern ganze Sätze schreiben, sondern kann im Zwei-Daumen-System in atemberaubender Geschwindigkeit Kurzbotschaften als Antwort auf Kurzbotschaften zu Kurzbotschaften versenden.
Mir scheint, die Lehrer-Hoffnung, dass der Computer und ...
[mehr]
Vor einem Jahr erregte der Begriff „Schultrojaner“ die Gemüter. Die Schulbuchverlage hatten sich in Verhandlungen mit den Kultusministerien das Recht erstritten, mit einer noch zu entwickelnden Software stichprobenartige Durchsuchungen auf Schulservern durchführen zu dürfen, ob dort nicht-lizenzierte Digitalisate von Schulbuch-Materialien lagern. Die Digitalisierung von Schulbüchern ohne die zuvor eingeholten Genehmigungungen ist nämlich generell nicht erlaubt - gewesen, darf man seit heute sagen.
Denn zum einen wissen die Verlage schon lange, dass es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist, eine solche Software zu entwickeln und einzusetzen, ohne nicht ständig mit Datenschutz und Persönlichkeitsrechten in Konflikt zu geraten.
Zum anderen haben die Kultusministerien der Länder - vertreten übrigens durch Bayern - den Vertrag ...
[mehr]
Die Diskussion kreist im Augenblick um Fragen wie diese:
1. Kann eine Bildungsministerin mit aberkanntem Doktortitel Vorbild für den Wissenschaftsbetrieb und den akademischen Nachwuchs sein? Einfache Antwort: Nein!
2. Wiegen 30 Jahre gute Arbeit als Politikerin (oder so ähnlich) nicht ein paar Dummheiten von vor 30 Jahren auf? Gegenfrage: Was sind ein paar Dummheiten?
3. Hat man vor 33 Jahren wissenschaftlich nicht ganz anders gearbeitet als heute in Zeiten von Internet, digitalisierten Buchbeständen und Copy'n'Paste? Antwort: Ja, und zwar mit Karteikästen voller Zettel mit Zitaten und Quellen. Da konnte man schon auch mal den Überblick verlieren.
Über eines wird noch zu wenig gesprochen: Über Gleichbehandlung und Gerechtigkeit.
Ein Doktortitel steht landläufig für Bildung, Fleiß und Intelligenz - ob das im Einzelnen zutrifft, spielt hier keine Rolle. Die Karriere von Frau Schavan basiert auf diesem Titel als Ausweis ihrer Qualifikation und ...
[mehr]