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Ist "Jeder seines Glückes Schmied" oder gibt es eine Vorbestimmung?

KFFs Blog

Ist "Jeder seines Glückes Schmied" oder gibt es eine Vorbestimmung?

In einem anderen Forum wird obiges Thema derzeit lebhaft diskutiert. Ich habe dort auch auf Materialien Bezug genommen, die auf zum.de aufrufbar sind.

M. E. ist im Thema keine logische Alternative enthalten. Was meinen ZUM.DE-Besucher dazu?

Karl

KommentareKommentare

  • kdautel
    kdautel 01.08.2012 09:12

    Nehmen wir z.B. den "Nationalen Bildungsbericht 2012" (www.bildungsbericht.de), so finden wir dort unter den "wichtigen Ergebnissen" folgendes: "In Anbetracht der engen Verknüpfung zwischen der Situation im Elternhaus eines Kindes und dem (schulischen) Lernerfolg kommt den Bedingungen des häuslichen Aufwachsens eine besondere Bedeutung zu. In einem bildungsfernen Elternhaus, einer finanziellen oder einer sozialen Notlage wachsen in Deutschland, trotz erkennbarer Verbesserungen in den letzten Jahren, noch immer 29% aller Kinder und Jugendlichen auf – bei durchaus beachtenswerten Unterschieden zwischen den Bundesländern . Von allen drei Risikolagen betroffen sind 3% aller Kinder und Jugendlichen." Das ist gewiss schon ein deutlicher Kommentar zum Thema "selbstbestimmtes" Leben. Insgesamt bestätigt sich im Bildungsbereich die bekannte Matthäus-Formel "wer hat, dem wird gegeben", d.h. die Investitionen in Bildungsgerechtigkeit kommen vor allem den intelligenteren und sozial gut ausgestatteten Kindern zugute. Darum ist die aktuelle Idee des "Bildungsminimums" (H.-E.Tenorth) bedenkenswert: Nicht Szenarien der individuellen Förderung für alle sind zu entwickeln, sondern Fokussierung auf einen möglichst alle umfassenden Mindeststandard in der Beherrschung grundlegender Kulturtechniken: Lesen, Schreiben, Rechnen, Reden. Und das eben weil nicht jeder seines Glückes Schmied ist - auf der Ebene von Herkunft und Erziehung sogar keiner. P.S.: Zu Gerhard Roth habe ich mich an anderer Stelle geäußert: http://unity.zum.de/networks/blog/post.kdautel:15

     
  • TNolte
    TNolte 01.08.2012 16:44

    Ein sehr weites Feld! - Beim Ausgangsthread ging es "canello" am 28.07.2012 16:44 nur um das materielle (Wohlstand) und messbare (Karriere) Glück. Das kann man positivistisch wägen. - Begünstigen Wohlstand und Karriere denn Glück und sind reiche Menschen deshalb glücklicher als ärmere? Entscheiden Großeltern- und Elternhäuser über das Glück der Kinder und Enkel? - Kann man Glück lernen? Etwa durch ein Unterrichtsfach "Glück"? - Immaterielles Glück kann auch der arme und/oder dumme Mensch empfinden (manchmal sogar mehr / besser als der Reiche und/oder Intellektuelle). Glück gibt es nicht allein in messbaren Einheiten und nicht nur für Gebildete. Nun könnte man den Hedonismus als Verwandten zum Glück durchdeklinieren (--> http://de.wikipedia.org/wiki/Hedonismus), der in der Antike neutral gemeint war, gegenwärtig aber einen negativen Klang hat. - Auch die Frage nach der Voherbestimmtheit (vgl. Calvinismus) und die Willensfreiheit (siehe Neurowissenschaft) verliert sich mit Antworten ins Weite ... - Als Theologe beschäftige ich mich derzeit mit der Prozesstheologie ("Gott ist im Werden"), die auf die Prozessphilosophie und die wiederum auf den Mathematiker und Philosophen Alfred North Whitehead (--> http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_North_Whitehead) zurückgeht. Können wir akzeptieren, dass alles Geschehen in der Biologie, Psychologie, Geschichte, usw., angefangen von der Ei- bzw. Samenzelle und den Hirnzellen, vom Einzeller Pantoffeltierchen über den Boden, die Gebirge und Meere, vom Kosmos bis hin zu einem möglichen Gott (oder mehreren?) immer prozesshaft ist? Dann werden die "Karten" ständig neu "gemischt" und es bedarf einiger Sensoren für Glück. - Mich faszinieren immer wieder kleine Kinder und Behinderte, wie sie auf ihre Weise Glück in dieser komplizierten Welt empfinden. Glück ist doch - wie wir alle wissen - vollkommen relativ (Prozess Beziehung!). - Ein Alltagsbeispiel aus den Ferien: Wenn im Juni die jungen Matjes auf dem Markt mit viel Zwiebeln verkauft werden, ist das für mich für 1,80 EUR eine absolute Delikatesse und ich fühle mich beim Verspeisen und einer Flasche gekühlten Pilses wie ein König (nein, andere Pilssorte!). Andere schütteln sich schon bei dem Gedanken an solches! - Alles Glück der Welt liege auf dem Rücken der Pferde, sagen die Einen, mir reicht schon ein Leihfahrrad auf einer ostfriesischen Insel. Bei langen Fahrradtouren werden Glückshormone ausgestoßen! - Ich habe den Eindruck, dass es zu viele Menschen gibt, die ständig in der Gebrauchsanweisung zum Unglücklichsein lesen, weil sie es verlernt haben das Kleine und Unbedeutende Wert zu schätzen. - Sicherlich kann man jetzt auch Alles gentechnisch und neurowissenschaftlich auseinanderpflücken. - Und jetzt gehe ich wieder Möven beim Flug, den Wellen und Sandformationen zuschauen und lache mir einen Ast, was andere alles unternehmen, um endlich mal glücklich zu sein ... (NB: Einen preisgünstigen "Liegeplatz" gibt es auch in der hiesigen Jugendherberge! Da müssten mal manche vollkommen verwöhnten Blagen hin!)

     
  • Fontane44
    Fontane44 03.08.2012 22:57

    Oh, die Glücksforschung! Dass es Menschen gibt, die Talent fürs Glücklichsein haben, und andere, die sich durch Ängste und Sorgen unglücklich machen, wird auch kaum einer bestreiten. Ich nehme das Sprichwort "Jeder ist seines Glückes Schmied" als die Behauptung, man könne sein Schicksal bestimmen. Das brächte die Bequemlichkeit mit sich, dass ich für nichts und niemanden außer mir selbst verantwortlich wäre. Ich denke aber, so leicht lässt sich die Verantwortung für den Hunger in der Welt und die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland nicht auf Afrikaner und Arbeitslose abschieben.

     
  • TNolte
    TNolte 06.08.2012 07:55

    @ Fontane44: Glück ist eine "Währung", die man leicht teilen kann, besonders mit den (oft unverschuldet) Zukurzgekommenen auf unserem Planeten: "Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun ..." - Über den Einsatz (und Nichteinsatz) von Talenten gibt es Hinweise in den Evangelien des Neuen Testamentes. Und zu den oft überflüssigen Sorgen findet sich ein Hinweis in der Bergpredigt des Matthäus bzw. in der Feldrede des Lukas. Ich kann mir vorstellen, dass auch ungläubige Menschen mit solchen Lebensweisheiten etwas anfangen könnten, wenn sie wollten. Auch bei Konfuzius gibt es zahlreiche Hinweise zum Glück. Aber man muss solche Geistesschätze erst einmal kennen, um sie zu heben. Auch für die vom Bürgerkrieg in Syrien obdachlos Gewordenen und um ihre ermordeten Angehörigen gibt es mutige Initiativen, die man wenigstens per Unterschrift (www.avaaz.org) oder durch Spenden an Hilfsorganisationen (z.B. Ärzte ohne Grenzen; medeor; amnesty international; ...) unterstützen kann. - Man muss nur hinschauen wollen und ein gewisses Maß an Kreativität besitzen: In Magdeburg regt sich endlich Widerstand der Zeit- und Leiharbeiter mit und ohne Werkvertrag. Per Facebook organisieren sie sich. Ein Flashmob mit 1.200 Menschen legte für 2 Stunden die Straßenbahnen in der Innenstadt still. Glück hat wohl auch etwas mit Freiheit zu tun.

     
  • f.j.neffe
    f.j.neffe 27.08.2012 21:39

    Wir müssen aus- und einatmen; dabei können wir täglich ca. 30.000 Fehler machen: dann fehlt uns was. Wir füttern täglich mehrmals unseren Körper. Die Kräfte von Geist und Seele dagegen quälen wir nur mit Üben, Üben, Üben uind lassen sie ganz selbstverständlich verhungern. Wenn wir von unserem Chef etwas wollen, reden wir mit Engelszungen. Wenn unsere Schüler uns nicht verstehen, erklären wir es noch einmal und dann machen wir Druck. Mit uns selbst machen wir meist gleich Druck. Wenn wir leiden, kann man den Kopf in den Sand stecken und das alles für ein unausweichliches Unglück halten und dahinkümmern. In der Ich-kann-Schule würde man beobachten und mit kleinen Experimenten das Geschehen hinterfragen, seine Gesetze entdecken und nach ihnen Einfluss gewinnen und an den Aufgaben wachsen. Wie es auf dem Celsius-Therometer nach oben und nach unten geht, findet sich das auch überall sonst im Leben. Jeder kann selbst entscheiden, ob er sich in wärmere oder kältere Zonen bewegt. Da wünscht man doch, dass jeder bald merkt, ob er in der richtigen Richtung unterwegs ist. Guten Erfolg! Franz Josef Neffe

     
  • yacofred
    yacofred 16.09.2012 22:56

    In unserer Gesellschaft sind wir alle den Anforderungen von Staat und Wirtschaft unterworfen. Diese beiden organisieren für uns eine Konkurrenz, in der wir uns bewähren müssen (oder auch dürfen!), sonst werden wir sehr schnell von jeglichem stofflichem Reichtum und auch Bildung ausgeschlossen. So einfach ist das. Daher ist die oben aufgeworfene Alternative: Jeder seines Glückes Schmied oder Vorsehung schlicht falsch. Weder hat es ein jeder selbst in der Hand, wie es ihm im Leben ergeht und ob er vom Leben etwas hat, noch ist ihm alles vorherbestimmt. Sicher ist ihm nur das: Wenn er/sie etwas erreichen will, zwingt man ihn, dies nach Maßgabe der herrschenden Interessen am hiesigen Standort zu tun. Kämpfen und arbeiten bis zum Umfallen, ohne "zu viel" (?) Ansprüche zu stellen soll jeder sich als sein Lebensglück ausmalen. Man nennt diesen glücklichen Zustand auch Chancen haben und nutzen können oder schlicht und einfach Freiheit (tolle Sache)! Nur die Kosten dafür bleiben dem unbedarften Neuling zunächst verborgen - als Schüler könnte man da allerdings schon einiges bemerken. Gruß yacofred

     

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Ich werde von Zeit zu Zeit Texte zu genetischen oder neurobiologischen Themen einstellen.

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