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Offener Unterricht und WEB 2.0: Neue Öffnungen nötig!

K. Dautels Weblog

Offener Unterricht und WEB 2.0: Neue Öffnungen nötig!

Ich möchte den Begriff des Offenen Unterrichts (siehe ZUM-Wiki: Offener Unterricht) um einige Aspekte erweitern, da mir angesichts der Entwicklung der digitalen Medien die bisherigen Konzepte und Rezepte zu eng - also zu wenig offen - erscheinen. 

Die Vorstellungen vom Offenen oder Offeneren Unterricht (Bovet/Huwendiek 2000 S. 74) beschränken sich immer noch sehr stark auf den Klassenraum und den vorgegebenen schulischen Zeitrahmen, z.B. die Unterrichtsstunde. Zeitliche und räumliche Erweiterungen sind zwar in Projekt- und Freiarbeit enthalten, insgesamt verbleiben aber die Vorstellungen im Denken der vor-digitalen Welt, also der 80er Jahre. Bezogen auf die Unterrichtsmethodik der 60er und 70er-Jahre waren Forderungen nach Gruppenarbeit, Projektarbeit, Stationenlernen und ähnlichem natürlich ein Fortschritt. Daraus hat sich heute ein standardisierter Stundenablauf entwickelt, der mindestens 10 Minuten Gruppen- oder Partnerarbeit enthält, im aktuellen Doppelstundenmodell darf es dann auch ein bisschen länger oder mehr sein. Ob dies im Sinne der Erfinder und Reformer war, will ich hier offen lassen.

Ich möchte den Blick auf die Potenziale richten, die dem Lernen und Lehren durch die digitalen Medien und insbesondere WEB 2.0 zur Verfügung stehen. Dadurch müsste sich zwangsläufig auch eine erweiterte Perspektive auf zeitgemäßen Unterricht eröffnen. 

  1. Da ist zuerst einmal die räumliche Öffnung aus dem Klassenzimmer, ja sogar aus dem Schulgebäude hinaus und hinein ins Internet.
  2. Dann ist da die zeitliche Öffnung über den Stundenplan-regulierten Rhythmus hinaus in die Nachmittags-, Abend- und Nachtstunden, in das Wochenende und die so genannte unterrichtsfreie Zeit hinein.
  3. Offener Unterricht wird auch öffentlicher Unterricht bedeuten: In Weblogs, Micro-Blogs, Wikis, Foren und Communities kann Unterricht geplant, reflektiert und aufgearbeitet werden. Beispiele sind die Blogs Herr Rau, Kreide fressen … auch in Twitter, Facebook findet das schon statt.
  4. Dem öffentlichen Unterricht enspricht der veröffentlichte Unterricht, in dem Arbeitsergebnisse als Publikationen verstanden werden! Hausaufgaben, Protokolle, Referate, Handouts und Projektergebnisse werden im Internet zur Verfügung gestellt; dadurch könnte für alle Beteiligten eine größere Ernsthaftigkeit und einen höheren Verpflichtungscharakter zum inhaltlich sauberen und rechtlich verantwortungsbewussten Arbeiten erwachsen. Hier sind Weblogs und Wikis besonders geeignet.
  5. Die Lehrer-Schüler-Beziehung öffnet sich in Richtung Gegenseitigkeit und Gleichwertigkeit. Ich mache mich offen, indem ich mir in die Karten sehen lasse, meine Arbeitsweise und Ziele offenlege, Kontrolle zurücknehme, meine Absichten begreifbar und mich angreifbar mache. 

1 und 2 sind in unterschiedlichem Umfang schon Realität: Klassen legen E-Mail-Listen an, LehrerInnen lassen sich Protokolle, Handouts, Hausaufgaben zumailen, kommunizieren auch mit Eltern, Kollegen, Schulleitung über E-Mails oder sogar in geschlossenen virtuellen Räumen wie lo-net2. 

3 bis 5 ist Zukunft, aber keinesfalls utopisch. Man schaue sich die Beispiele im "Blogroll", im ZUM-Wiki und der Wiki-Family an.

Auf allen fünf Ebenen öffnen sich Türen in Richtung individuelle Betreuung und Förderung, selbst verantwortetes Lernen und hilfreicher Umgang mit Heterogenität. Dies müsste auch das Ziel einer Didaktik für das Lernen und Lehren mit WEB 2.0. sein. 

Drei Problem-Dimensionen sind anzusprechen:

a) Was sind die Anforderungen an die technische Kompetenz und Ausstattung der Beteiligten? Ich halte dieses Problem zumindest auf Schülerseite für schon gelöst und mit einer neuen LehrerInnen-Generation kommt ebenfalls mehr Kompetenz in die Schule. 

b) Wie steht es um die didaktisch-methodische Aufarbeitung dieser „Öffnungen“? 

c) Droht hier für die Lehrkraft endgültig die Grenzverwischung zwischen Arbeitszeit und Freizeit? Sitzt er/sie ab jetzt auch noch nachts am Computer und kommuniziert, publiziert, redigiert und gibt Feedback per E-Mail, Wiki, Blog und Twitter?  

KommentareKommentare

  • Fontane44
    Fontane44 03.06.2010 18:51

    "Grenzverwischung zwischen Arbeitszeit und Freizeit?"
    Die Grenzverwischung gab es bei Lehrern immer. Dennoch werden die Gefahren der Selbstausbeutung größer, weil das Ausmaß, worauf man sich einlässt, am Anfang meist schlechter überschaubar ist als früher. Dennoch, um Selbstausbeutung kommt und kam man nicht herum, wenn man es beim Lehren hin und wieder seinen Schülern und hin und wieder sich selbst recht machen will.
    Zur Eindämmung der Gefahren: Kooperation, Nutzung von eigenem und fremdem Material, Entwicklung von Strukturen, wo der Lernprozess mehr und mehr Material für neue Lernprozesse hervorbringt.
    Die Gefahren bleiben.

     
  • christian_ebel
    christian_ebel 12.06.2010 23:55

    Ich bin sowohl glühender Verfechter des Lernens mit neuen Medien (gerne auch unter dem Vorzeichen "Web 2.0" als Möglichkeit des Dialogs und der Kooperation verstanden) als auch Befürworter offener Unterrichtsformen. Beide Ansätze halte ich ganz unabhängig voneinander für zeitgemäß und wichtig. K. Dautel stellt sie in seinem Blog nun in einen interessanten Zusammenhang, der herstellt werden kann, aber nicht muss (Formen offenen Unterrichts z.B. Wochenplanarbeit, Freiarbeit etc. gab es schließlich bereits lange vor der Entwicklung des Personal Computers). Gemeinsames Element ist in der Tat die organisatorische Offenheit (Lernen im Web unabhängig von Zeit und Raum - auch außerhalb des Unterrichtskontextes). Dabei kommt mir der Aspekt des gemeinsamen Lernens und der Kooperation (zwischen S-S und S-L) im Blogbeitrag aber doch ein wenig zu kurz - vielleicht ist er für den Autor aber auch so selbstverständlich, dass er ihn nicht mehr explizit in seinen 5-Punkten erwähnt. Die Chancen und erweiterten Möglichkeiten von Wikis, Blogs, Foren etc. liegen meines Erachtens gerade in der gemeinsamen Bearbeitung von Aufgabenstellungen, im Austausch, in einer (öffentlichen) Diskussion und im "herrschaftsfreien Dialog" (cf. Habermas). Die drei Problem-Dimensionen, die zum Schluss des Beitrags angesprochen werden (Medienkompetenz aller Beteiligten, Beurteilung der Relevanz für den Lernprozess der SuS, begrenzte Zeitressourcen), existieren meines Erachtens ohnehin schon seit langem und auch unabhängig von den neueren Entwicklungen im Web. Wir benötigen meines Erachtens eines ganz anderes Lehrerarbeitszeitmodell, das viel mehr Faktoren berücksichtigt als nur die Unterrichtsverpflichtung / das Stundendeputat und ggf. noch Aufwände, die in Korrekturfächern entstehen: Was ist mit gemeinsamer Planungszeit, um in Jahrgangs- oder Fachteams Lernarrangements zu planen bzw. Unterrichtsreihen zu konzipieren? Was ist mit Beratungsgesprächen mit Eltern abends am Telefon… die Zeitproblematik hat nicht erst mit dem Web 2.o begonnen - dürfte sich dadurch aber sicherlich noch verstärken.

     

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