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Die Diskussion ums Sitzenbleiben - das falsche Pferd

K. Dautels Weblog

Die Diskussion ums Sitzenbleiben - das falsche Pferd

In meinem Deutschkurs lasen wir unter dem Aspekt "Analyse eines argumentieren Textes" den Leitartikel aus der ZEIT vom 21. Februar mit der Überschrift "Pädagogisch wertlos". Der Autor Thomas Kerstan argumentiert darin, wie der Titel andeutet, für die Abschaffung der Nichtversetzungspraxis (einfacher: des Sitzenbleibens) bei schlechten Schulleistungen. Wir fanden den Artikel gut, die Argumentation transparent und die Argumentationsweise anregend. Die unterrichtlichen Behandlung des Artikels, die angemessen ausführlich war, endete mit einer Abstimmung. Darin sprach sich die überwältigende Mehrheit für die Beibehaltung des Sitzenbleibens aus. Was für eine Überraschung!

Wie erklärt sich dies? 

An der mangelnden Qualität des Artikels kann es nicht gelegen haben.

Auch nicht - so wage ich zu behaupten - daran, dass es sich hier um Gymnasiasten in der Endphase ihrer Schullaufbahn handelt, also um Überlebende, die es so gut wie geschafft haben.

Ich vermute stattdessen: Es fehlt der Glaube, dass die in dem Artikel genannten Voraussetzungen, welche für die Abschaffung des Sitzenbleibens nötig wären, geschaffen werden können. Was sind diese? 

  1. verstärkte Lehrerfortbildung in diagnostischen Verfahren, um Ursachen des Zurückbleibens zu erkennen. 
  2. Einführung eines umfangreichen Fördersystems, um zurückbleibende Schüler zu fördern.
  3. und das alles unter Beibehaltung angemessener (!) Leistungsstandards, um das Ausbildungs-Niveau zu erhalten.

Es steht zu vermuten, dass Nummer drei bleibt, dass aber Nummer 1 und 2 nicht kommen wird. 

In meinem Bundesland ist der Wegfall einer fünfstelligen Zahl von Lehrerstellen für die nächsten Jahre beschlossen ("demografische Rendite"). So schnell kann die Schülerzahl im Land gar nicht schrumpfen, wie die Lehrerzahl geschrumpft wird. Es liegt auf der Hand, dass die zusätzlichen Fördermaßnahmen aus den vorhandenen und schrumpfenden Ressourcen zu leisten sein werden, es ist zu vermuten, dass die Kraft der Lehrkräfte ein weiteres Mal gefordert wird, anstatt ihre diagnostische Kompetenz zu fördern. So deutet sich insgesamt eine Überforderung aller Beteiligten an.

Fazit: Die Diskussion schief. Es dürfte in der Öffentlichkeit nicht zuvörderst über das Sitzenbleiben diskutiert werden, sondern zuallererst und ausschließlich über personelle Ressourcen, über Konzepte der Schüler-Förderung und Lehrerfortbildung.

P.S.: Der ZEIT-Artikel hat dort noch nicht - wie zu vermuten war - eine Kommentarlawine ausgelöst. Vielleicht ist die Sache doch nicht so strittig.

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