Hier kostenlos registrieren!

Willkommen bei ZUM-Unity

Annette Schavans Titelkampf

K. Dautels Weblog

Annette Schavans Titelkampf

Die Diskussion kreist im Augenblick um Fragen wie diese:

1. Kann eine Bildungsministerin mit aberkanntem Doktortitel Vorbild für den Wissenschaftsbetrieb und den akademischen Nachwuchs sein? Einfache Antwort: Nein!

2. Wiegen 30 Jahre gute Arbeit als Politikerin (oder so ähnlich) nicht ein paar Dummheiten von vor 30 Jahren auf? Gegenfrage: Was sind ein paar Dummheiten?

3. Hat man vor 33 Jahren wissenschaftlich nicht ganz anders gearbeitet als heute in Zeiten von Internet, digitalisierten Buchbeständen und Copy'n'Paste? Antwort: Ja, und zwar mit Karteikästen voller Zettel mit Zitaten und Quellen. Da konnte man schon auch mal den Überblick verlieren.

Über eines wird noch zu wenig gesprochen: Über Gleichbehandlung und Gerechtigkeit. 

Ein Doktortitel steht landläufig für Bildung, Fleiß und Intelligenz - ob das im Einzelnen zutrifft, spielt hier keine Rolle. Die Karriere von Frau Schavan basiert auf diesem Titel als Ausweis ihrer Qualifikation und Redlichkeit. Sie hat keinen anderen akademischen Abschluss als diese "grundständige Promotion" und diese ist als Sonderangebot zu verstehen (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Doktor ). 99 Prozent aller Studenten machen ein Diplom-, eine Magisterarbeit oder eine Art Staatsexamen. Dann setzt man vielleicht noch eine paar Jahre Promotion drauf, im Allgemeinen schlecht bezahlt oder als Hilfskraft oder gar auf eigene Kosten. All das hat sich Frau Schavan erspart oder ist ihr erspart worden. Wer immer eine blutjunge, begabte Studentin darin bestärkte, diese Abkürzung zu wählen, handelte entweder verantwortungslos oder ihr war der weitere Weg schon bereitet. Man könnte von einer damals sicheren Wette auf den Wert des Doktortitels als Eintrittskarte in die maßgeblichen Institutionen sprechen. Ohne dies wäre sie zu nichts von dem berechtigt gewesen, was sie dann als Tätigkeit ausüben durfte: "Referentin bei der bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk ... 1984 als Abteilungsleiterin für außerschulische Bildung zum Generalvikariat in Aachen. Von 1987 bis 1988 war Schavan Bundesgeschäftsführerin der Frauen Union. Danach kehrte sie als Geschäftsführerin zum Cusanuswerk zurück und war von 1991 bis 1995 dessen Leiterin." (http://de.wikipedia.org/wiki/Schavan)  

Zum Vergleich: Wenn sich herausstellt, dass ein Arzt seinen Titel erschlichen hat, dann hilft es ihm nichts, dass er bisher gute Arbeit gemacht hat. Er wird als Risiko für die Patienten und als Betrüger eingestuft. Ich vermute, dass das mit Lehrern oder Lehrerinnen ähnlich wäre.

tagsStichwörter: Gleichbehandlung, Doktor, Schavan

KommentareKommentare

  • TNolte
    TNolte 07.02.2013 19:03

    Der aus Mexiko stammende Prof. Raúl Rojas von der FU Berlin (--> http://de.wikipedia.org/wiki/Ra%C3%BAl_Rojas) meint in seinem Artikel in Telepolis vom 07.02.2013: "Haarsträubend sind die Rechtfertigungen, die jeden Tag in der Presse zu lesen sind." und listet diese anhand von sechs Beispielen auf. Er meint, Promotion und Honorarprofessuren seien Spielwiesen für Politiker, und vergleicht die Anzahl der Doktortitel bei Abgeordneten in den USA (3,9 %) und in DE (20 %). Woher kommt die deutsche Titelsucht? Und weiter fragt er: "Im Fall von Frau Schavan ist es nicht bedenklich, dass ihre Qualitäten als Wissenschaftlerin und Honorarprofessorin gerade vor der zweiten Staffel der Exzellenzinitiative der deutschen Universitäten entdeckt wurden?" http://www.heise.de/tp/artikel/38/38522/1.html

     
  • ehemaliges Mitglied
    ehemaliges Mitglied 09.02.2013 15:09

    Hallo Klaus, Du schriebst u. a.: (Zitatbeginn): ".....Wenn sich herausstellt, dass ein Arzt seinen Titel erschlichen hat, dann hilft es ihm nichts, dass er bisher gute Arbeit gemacht hat. Er wird als Risiko für die Patienten und als Betrüger eingestuft....." (Zitatende) Wie ist denn Deine Einschätzung bei Ärzten, die erst gar nicht einen Doktortitel erworben haben? Mein Hausarzt und auch mein Zahnarzt besitzen (genauso wie ein entfernt mit mir verwandter Kardiologe in unserer Nähe) gar keinen "Doktor" - sollte ich mich jetzt besser nicht mehr von ihnen behandeln lassen??? Ich weiß, das trifft nicht ganz Dein Statement, ist diesem aber dennoch nahe gelegen, auch wenn es nicht um "betrügerische" Absichten ging.....

     
  • TNolte
    TNolte 11.02.2013 02:26

    Ein lesenswerter FAZ-Artikel zur "Weiterentwicklung" von Annette Schavan, der die Gesamtzusammenhänge von Forschung und Bildung verdeutlicht: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/schavans-karriere-die-weiterentwicklung-der-annette-s-12057967.html

     
  • ehemaliges Mitglied
    ehemaliges Mitglied 11.02.2013 11:14

    Hallo Karl, dass die Verantwortlichkeit für das Seitenlayout und die Textformatierung bei Mixxt liegt, wusste ich bereits seit längerem. Es wurde ja nicht zum ersten Mal auf dieses Manko hingewiesen. Sollte ich der Einzige sein, den z. B. die fehlenden Zeilenumbrüche stören, kannst Du meinen Beitrag getrost überlesen. In jedem anderen Fall würde ich allerdings zu Deiner dritten Wahlmöglichkeit tendieren: "uns eventuell eine neue Plattform suchen"....., da sich Mixxt bisher ja kaum "bewegt" hat und der ausgeübte Druck wohl zu gering war. --- Eine Form der Veröffentlichung, bei der ich noch nicht einmal (!!!) einen Zeilenumbruch setzen kann, würde ich nicht hinnehmen.

     
  • charlymueller
    charlymueller 11.02.2013 13:06

    Ich möchte gerne die letzte Vermutung aufgreifen: We wäre das eigentlich bei uns Lehrern? Oder noch eklatanter: Wie wäre es bei Schülern??? Es ist doch sehr erstaunlich, dass der Fokus sich hauptsächlich auf Schavan gerichtet hat. Wo bleibt die Verantwortung der Doktorväter und Prüfer? Kaum ist der politische Kopf gerollt (aus meiner Sicht zurecht), ist Ruhe im Karton und die Uni ist aus dem Schneider. Na wenn das so ist: Es ist so weit: Schavan-Skandal weitet sich aus – Lehrer erkennen jetzt auch Abschlüsse ab! Auch die deutsche Lehrerschaft hofft und wartet auf Konsequenzen der Affäre. Schulen müssen dem guten Beispiel der Universitäten nun endlich folgen! Als Lehrer bekomme ich nämlich eine völlig neue Sicht auf die Dinge, Person und Gewissen gehen neue Wege: Fällt mir doch nun auf, dass ich bei einigen Schülern in den vergangenen Jahren doch hätte die schlechtere Note geben sollen. Ich muss diesen Schülern den Schulabschluss im Nachhinein doch aberkennen und werde damit hoffentlich Schule machen... http://goo.gl/u6ZSo

     
  • Tuennes
    Tuennes 11.02.2013 13:52

    Würde gerne zum Fall Schavan zurückkehren und ein paar Dinge dazu sagen: (1) "Deutsche Titelsucht": Es ist ja auch wiederholt vorgschlagen worden, Doktorgrade sollten nur noch die erwerben, die an der Universität bleiben wollen. Meines Erachtens würde das dem Austausch zwischen Universität und Gesellschaft abträglich sein. Nicht nur die Wissenschaftsministerin muss über das Schicksal der Forschung entscheiden, da kann es kein Schaden sein, eine umfängliche wissenschaftliche Arbeit geschrieben zu haben, und warum sollte man das tun, wenn nicht am Ende ein Zertifikat winkt, das ein gewisses Ansehen verleiht. (2) Es ist richtig, dass schwere Gewaltakte verjähren, Mogelei bei einer Dissertation aber nicht, und dass man das ungerecht finden kann. Eine Verjährungsregelung würde jetzt Annette Schavan die Möglichkeit geben, Frau Doktor zu bleiben. Aber die Rufschädigung würde wahrscheinlich doch einen Amtsverzicht erzwingen. Da ist es vielleicht besser, dass es jetzt ein Verfahren gibt, dass auf eine juristisch haltbare Entscheidung hinauslaufen muss, und in dem alle Seiten sich gegen wahrgenommene Ungerechtigkeit wehren können.

     
  • ehemaliges Mitglied
    ehemaliges Mitglied 18.02.2013 20:02

    Hallo zusammen, ich stimme meinem Vorredner voll und ganz zu. Mir stellt sich aber immer wieder die Frage, warum wird nicht schon beim korrigieren auf Plagiate geprüft. Das dürfte doch nicht soooo schwer sein. Oder sehe ich das falsch. Von den Unis redet kein Mensch mehr , nur die die Plagiate abgegeben haben stehen ewig am Pranger. Ich wünsche allen noch einen schönen Abend.

     

Hier anmelden

Diese Community ist nur für eingeladene Nutzer.

alternative Logins

Melde dich alternativ mit deinem Zugang eines Drittanbieters an.

Über dieses Blog

Der Mix macht's.

Über diesen Autor

kdautel
kdautel
  • Mitglied seit: 02.04.2010
  • Geschriebene Beiträge: 37
  • Erhaltene Kommentare: 72
  • Geschriebene Kommentare: 55
  • Letzter Beitrag: 31.05.2014

Letzte Beiträge

Community-Details

  • Suche nach:

  • Community-Name

    ZUM-Unity
    Netzwerk für Lehrerinnen und Lehrer

  • Dein Gastgeber ist

    ZUM-Team

  • Online seit

    01.04.2010

  • Mitglieder

    657

  • Sprache

    Deutsch

powered by mixxt
  • v1.1.1
  • (highfive)