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Zweifel eines noch treuen Apple-Users

K. Dautels Weblog

Zweifel eines noch treuen Apple-Users

"Eine Nacht lang für das neue iPhone anzustehen ist nicht cool, sondern idiotisch. Aber ein paar Wochen lang vor Apple-Stores eine »Fair Pay for China«-Kampagne zu veranstalten – das wäre originell." Mit diesem Satz endet der ZEIT-Artikel "Gar nicht cool" auf Seite 1 der Ausgabe vom 27. September.

Ich will hier nicht zu einer solchen Aktion aufrufen oder über den Sinn einer solchen diskutieren. Ich muss aber einmal mein Problem als alt-gedienter Apple-User ansprechen. Ich habe Apple in den 90er Jahren die Stange gehalten, als die Firma vor dem Aus stand, ich habe mit dem Kopfschütteln von Schülern und Kollegen gelebt, wenn ich mit ihren Windows-XY-Dokumenten und Programmen nicht 'kompatibel' war. Schließlich habe ich mich über den kreativen Neu-Start mit Steve Jobs sehr gefreut. Und nicht zu vergessen: Ich habe viel Geld ausgegeben.

Jetzt aber ist aus dem Nischenprodukt ein Mainstream-Produkt geworden. Da wäre noch auszuhalten, das könnte einem Apple-Fan der ersten Stunde sogar Genugtuung verschaffen - ABER: Im Erfolg zeigt sich auch der Charakter einer Firma bzw. einer Bewegung. Und da geht mir so langsam das Identifikationspotential verloren: Apples Preise sind überhöht, Apple bietet für Studenten und Schüler keine preiswerten Produkte mehr an, die Edu-Rabatte sind ein Witz, die Firma betreibt unter dem Deckmantel der coolen Live-Style-Produkte eine gnadenlose Gewinnmaximierungsstrategie.

Das Wort 'gnadenlos' scheint angebracht, spätestens seit es die Nachrichten über Arbeitsbedingungen bei Foxconn in China und demnächst in Brasilien gibt. Es ist kein Problem, sich mittels cooler iMacs und iPhones und iPads über diese unerfreulichen Zusammenhänge zu informieren - man muss es nur wollen. Wenn man aber die News und die Online-Foren der einschlägigen MAC-Zeitschriften durchsucht, so findet man dazu keine nennenswerte Berichterstattung oder gar ernsthafte Diskussionen.  

Was bedeutet das jetzt für mich als treuer Apple-User der ersten Stunde? Ich sehe mindestens fünf Handlungsoptionen: 

1. Mein in die Jahre gekommenes weißes Macbook (oder iPhone, iMac etc) noch eine lange Weile weiter benutzen, anstatt wie bisher hardware-mäßig aufzurüsten?

2. Ein System- und Hardware-Wechsel, es gibt ja mittlerweile echte Alternativen (habe ich mir sagen lassen!). Zumindest ein wohl überlegter System-Mix.

3. Trotzdem im Apple-Store (oder so) weiter kaufen, wenn auch nicht am erste Tag, und ein bisschen ein schlechtes Gewissen haben. Die Anderen produzieren ja auch nicht "fair"?

4. Vielleicht doch ein bisschen öffentlichen Wirbel - zumindest in der Netzgemeinde - erzeugen?

5. Die PiratenPartei auffordern, sich dazu auch einmal verantwortungsvoll zu äußern, anstatt sich hinter ihren aufgeklappten überteuerten Macbook Pro/Air zu verschanzen.

Ich bin Lehrer, als solcher Vorbild in bewusstem Konsum-Verhalten. Das muss gerade den Medien-Konsum betreffen, da hört ja bei sehr vielen die soziale Frage auf. Oder, um mit Bertolt Brecht zu sprechen: "Erst kommt das iPhone, dann kommt die Moral." (vgl. "Dreigroschenoper-Finale")

Ich bitte um Kommentare.

KommentareKommentare

  • TNolte
    TNolte 07.10.2012 20:27

    Es kann einem schon schwarz vor Augen werden, wenn man in http://de.wikipedia.org/wiki/Foxconn liest, wer alles Großkunde bei Foxconn ist. Apple steht mit seinem iPhone 5 zur Zeit in der ersten Reihe der Anfeindungen. Apple ist nicht nur hervorragende Technik, sondern auch Kult. Ich habe den "Glaubenskrieg" pro/contra GUI --> MacOS / MS DOS --> Windows intensiv mitverfolgt und bin damals durch Vobis MS-Jünger geworden. Apple zwingt die Nutzer - stärker als MS -, keine anderen Hardware-Götter neben sich zu haben. Ich persönlich bin für offene Systeme, nur ließ sich an den Schulen das einst unhandliche Linux nicht gegen MS Windows durchsetzen. Und welche Schule leistet(e) sich schon Parallelbetrieb? Heute sind Ubuntu und Android zu echten Alternativen zur Apple- und Microsoft-Welt geworden. Das Zeitalter des Cloud-Computing verlangt nach Cross-OperatingSystems. - Aber wie können wir das FairTrade-Prinzip bei Computer Hard- und Software verankern? Für mich eine völlig ungelöste Frage. Zur Zeit versuche ich es noch mit Kaufenthaltsamkeit und viel Bewusstseinsbildung bei den SchülerInnen.

     
  • kdautel
    kdautel 15.10.2012 12:11

    Hinweis: Am 5. 10. 2012 kam auf ZDF Info diese Sendung zu unserem Thema: Wolf Christian Ulrich trifft Jünger, die die Anziehungskraft von Apple erklären. Auf der anderen Seite mehren sich aber die Kritiker. (45'). - Die Sendung kann in der ZDF-Mediathek angeschaut ( http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1654764/Ulrich-protestiert-Mythos-Apple ) und/oder mit den entsprechenden Programmen auch heruntergeladen werden. Siehe dazu das Weblog von Karl Kirst: http://unity.zum.de/networks/blog/post.Karl.Kirst:81

     

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