Wieder musste sich ein Elternabend damit auseinandersetzen, dass ein Schüler mit der Handy-Kamera Mitschüler fotografiert hat, das Bild daraufhin in einer bekannten Community, die mit K anfängt, einstellte und kommentieren ließ. Dabei kam es prompt zu verunglimpfenden und hässlichen Kommentaren. Ein Fall von Cybermobbing!
Die Frage stellt sich: Was tun? Was kann man den Eltern empfehlen, wie soll die Klassenleitung damit umgehen, welche Maßnahmen soll die Schule ergreifen?
Fragen über Fragen!
Klar ist, dass alle Schulen Mindestregelungen für den Handy-Gebrauch festlegen. So z.B. sollten sie während des Unterrichtes ausgeschaltet sein - was immer ,ausschalten‘ heißen mag.
Aber was ist mit den Pausen?
Und schließlich gibt es auch den Ansatz eines generelles Handy-Verbotes - nicht nur für den Unterricht! Das hat eine gewisse Logik und klingt nach Konsequenz.
Aber immer weniger Schüler haben Uhren. Wenn die Lehrkraft für eine Gruppen- oder Stillarbeit eine bestimmte Arbeitszeit vorgibt, oder wenn Klassenarbeiten geschrieben werden - wie ist dann noch Zeitmanagement erlernbar?
Und die Handys werden immer mehr zu Smartphones, die sogar Lernfunktionen integrieren können.
Verbote helfen also auf die Dauer nicht weiter, sie laufen der technischen Entwicklung und den gesellschaftlich anerkannten Verhaltensmustern hinterher.
Was also tun? Was wird schon ausprobiert? Was wurde angedacht?

Karl.Kirst 16.04.2010 12:17
An meiner Schule gelten folgende Regelungen:
Handys sind in der Schule auszuschalten und müssen in einer Tasche verstaut sein. Gedacht ist an die Schultasche, Realität wohl eher die Hosen- oder Handtasche. - Verhindert werden soll so, dass in der Schule Aufnahmen von Mitschüler/innen oder Lehrkräften gemacht und missbraucht werden.
Wenn ein Handy im Unterricht klingelt oder wenn eine Lehrkraft sieht, dass es in der Schule angeschaltet ist, kann es ohne weitere Verwarnung von der Lehrkraft eingesammelt und im Sekretariat abgegeben werden. Ein Elternteil kann dann das Handy gegen Unterschrift aus dem Sekretariat abholen.
Diese klaren Regelungen haben dazu geführt, dass es eigentlich seitdem recht wenige Probleme in diesem Bereich gibt:
- Weil ein Klingeln schon zum vorübergehenden Verlust des Handys führen kann, kommt dies seitdem wirklich extrem selten vor. - Welcher Schüler möchte schon ein, zwei Tage auf sein Handy verzichten? Und den meisten ist es ziemlich unangenehm, dass die Eltern dann wegen ihnen in die Schule müssen, was wohl auch den Eltern kaum Freude bereitet und deshalb auch gegenüber ihrem Sprössling entsprechend kommentiert werden wird.
- Vermutlich schalten sehr viele, vielleicht sogar die meisten Schüler/innen ihr Handy lautlos, also nicht wirklich aus. - Für mich ist das kein Problem, denn so stört das Handy ja nicht. - Wird es dann allerdings zum Simsen benutzt, kann auch das lautlose Handy eingesammelt werden.
- In der Praxis ermahne ich (gerade Oberstufenschüler) eher, als dass ich Ihnen das Handy wegnehme, wenn sie gerade noch mal zu Beginn der Stunde eine SMS absetzen. Aber die Tatsache, dass (vor allem die MittelstufenschülerInnen) wissen, dass sie ihr Handy im Zweifelsfall tatsächlich abgeben müssen, lässt echte Problem kaum noch aufkommen.
- Und inzwischen haben sich die meisten SchülerInnen auch schon angewöhnt, zu fragen, wenn es dennoch einmal notwendig sein sollte, das Handy einmal zu benutzen, sei es für einen unausweichlichen Anruf oder um z.B. etwas im Organizer nachzuschlagen.
Zur Frage des Zeitmanagements mit Hilfe der Hand-Uhr:
Ich würde hierfür auf den konkreten Unterricht bezogene Ausnahmen vereinbaren, wenn es wirklich nur so geht. - Aber grundsätzlich finde ich es nach wie vor äußerst sinnvoll, wenn in jedem Unterrichtsraum eine Wanduhr hängt, die sowohl Lehrer als auch Schüler sehen können. (In meinem Lehrerraum hängt eine, die nur wenige Euro gekostet hat, aber seit Jahren ihren Dienst erfüllt.)
kdautel 18.04.2010 16:24
Die Stuttgarter Zeitung vom 17. April 10 beschäftigt sich in einem größeren Artikel mit der Handy-Frage am Beispiel von Stuttgarter Schulen und findet dort folgende Verfahrensweisen vor:
* Ein Wirtschaftsgymnasium verhängt eine Geldbuße von 2,50 € beim ersten Mal und 5 € beim zweiten Mal, wenn Schüler mit angeschaltetem Handy im Schulhaus angetroffen werden. Das Geld kommt der Sozialkasse des Elternbeirats zu.
* Ein anderes Gymnasium erlaubt generell keinen Handy-Betrieb auf dem Schulgelände. Angetroffenen Handys werden eingesammelt und erst nach einem „pädagogischen Gespräch“ mit den Eltern zurückgegeben.
* Eine Grund- und Hauptschule beschränkt das Handy-Verbot auf dem Schulgelände auf die Zeit von 8 bis 16 Uhr.
Einen ganz anderen Ansatz beschreibt die Stuttgarter Zeitung in dem Artikel „Schulen erproben Neue Medien“ (S. 20): In einer Schweizer Primarschule bekommt jeder Schüler der 5. Klasse ein Apple iPhone für zwei Jahre ausgehändigt. Der Sponsor ist die Swisscom, das Pilotprojekt wird von einer Pädagogischen Hochschule „wissenschaftlich begleitet“ . Im Unterricht diene der „Alleskönner“ als Recherchemittel, aber man wolle auch beobachten, wie die Schüler das Gerät im Alltag benutzen, und sie bei der Begegnung mit „problematischen Inhalten“ begleiten (Stuttgarter Zeitung, 17. April 2010).
may 18.04.2010 21:39
ganz ehrlich: das schweizer Projekt klingt mir am sinnvollsten. Es wird den Kindern hoffentlich einen sinnvollen Weg zeigen und Problembewusstsein entwickeln. Das nenn ich zukunftsweisend.
Verbote sind ... hm. naja. ... Das Problem sind dann immer die Kontrollen. Wer macht das? Sicher Lehrer, die dann ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, wenn ein Schüler doch mit vom Handy gemachten Bildern im Internet angetroffen wird...
und was lernen die Kinder daraus? Dass es Grenzen gibt, deren Überschreitung ausgetestet werden sollte... in spätestens 5 Jahren werden wir über solche Verbote lachen!
may 18.04.2010 22:01
PS: hier ist noch ein Artikel zum genannten schweizer Projekt http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2456309_0_9223_-unterricht-schulen-erproben-neue-medien.html
fdagner 18.04.2010 23:27
"Aber immer weniger Schüler haben Uhren. Wenn die Lehrkraft für eine Gruppen- oder Stillarbeit eine bestimmte Arbeitszeit vorgibt, oder wenn Klassenarbeiten geschrieben werden - wie ist dann noch Zeitmanagement erlernbar?"
Eine Wanduhr aufhängen. Gibt es ab 2 €.
kdautel 28.04.2010 09:33
Stichwort "Wanduhr": Die einfachen Lösungen sind in der Tat oft die besten und sprechen sich auch herum.
Leider ist das nicht die Lösung für den Rest der Problemlage (siehe oben).
Karl.Kirst 28.04.2010 21:36
Heute: Deutsch im 12. Jahrgang, Thema Liebeslyrik. Hausaufgabe: Die Schüler/innen sollen ein aktuelles deutschsprachiges Liebeslied mitbringen. Und natürlich bringen sie dies natürlich fast alle auf ihrem MP3-Player oder Handy mit, wenige auf einer CD. - Ein Arbeitsauftrag in der Gruppenarbeitsphase: Stellt euch eure Lieder gegenseitig vor (etc.) - Und natürlich hängen die Schüler/innen dann zu Zweit am Kopfhörer eben dieses MP3-Players oder Handys.
Kurz gesagt: Ich habe heute erlebt, wie man Handy und MP3-Player sinnvoll im (Deutsch-)Unterricht verwenden kann ... und finde aber gleichzeitig nach wie vor die generelle Regelung, dass Handys in der Schule auszuschalten sind, richtig, um einem (erneuten) Missbrauch vorzubeugen.