Herr Larbig, bloggender Lehrer aus Frankfurt, fragt: "Wer führt zur Unterstützung eigener Praxisreflexion ein Arbeitsjournal? Oder: Wie sieht eure ReflexionsROUTINE aus?" und ruft in einem Blogartikel, in dem er eine kurze Begründung seiner Frage liefert, dazu auf, eine Blogparade zu diesem Thema zu beginnen. (sieh sein Artikel). Zu dieser Blogparade möchte ich beitragen.
Zunächst ein paar Hinweise:
1. Ich habe meine Praxis zwar immer reflektiert, aber nur relativ kurze Zeit ein Arbeitsjournal zur Refexion geführt.
2. Ich denke über die Praxis des Unterrichtens freier nach, seit ich nur noch nicht-beruflich unterrichte (mehr Zeit, weniger Festlegungen durch Lehrpläne und Rollenerwartungen).
3. In meinem Blog Fontanefan habe ich dann freilich gelegentlich auch Praxisreflexion betrieben, hauptsächlich diete er aber anderen Zwecken.
4. Über meine Unterrichtspraxis habe ich vor allem nachgedacht, wenn
a) ich ein neues Fach unterrichtete
b) ich es an einer neuen Schule unterrichtete
c) ich die Chance hatte, eine von meiner stark abweichende Praxis kennenzulernen (z.B. die von Kollegen anderer Nationen); die hatte ich vor allem an der Europäischen Schule, wo ich beim Praxisaustausch, bei der Entwicklung von Lehrplänen für die Europäischen Schulen und nicht zuletzt bei Zeugniskonferenzen sehr unterschiedliche Haltungen zu Unterricht und zum Umgang mit Schülern kennen lernte.
Meine Erfahrung mit Unterrichtsreflexion:
Ständige Überprüfung der eigenen Unterrichtsstrategie an den Unterrichtserfolgen sollte selbstverständlich sein und bei den meisten Kollegen ist sie das auch.
Meine eigene Reflexion halte ich freilich für unzureichend, wenn sie nicht ergänzt wird durch eine Sicht von außen.
Ganz wichtig ist mir die Rückkopplung mit Schülern. Sie bringt mir freilich nicht viel, wenn ich keinen Lernwillen der Schüler voraussetze und da, wo er fehlt, nicht ernsthaft die Möglichkeit einbeziehe, dass er durch meine Schuld verloren ging. Das heißt, es muss eine offene Kommunikation möglich sein. Wo das - wie sehr häufig - nicht der Fall ist, kann Mediation helfen. Wenn der Mediator das Vertrauen der Schüler gewinnt, hat der Lehrer die Möglichkeit die Interessen der Schüler unverzerrt durch konfrontative Standpunkte und/oder abhängigkeitsbedingte Beschönigungen wahrzunehmen.
Nützlich ist es aber auch, in die Schülerrolle zu schlüpfen.
Das kann geschehen, wenn man dem Unterricht eines Referendars folgt und dabei z.B. wie ich in einer Stunde feststellt, selbst der aktivste Schüler weniger als 10 Minuten dem Unterricht folgte (ein energisches Plädoyer für Lernen durch Lehren und forschendes Lernen).
Noch nützlicher aber fand ich die Gelegenheiten, wo ich an Fortbildungen teilnahm und die Vorteile von informierenden Frontalphasen und gut organisierten Gruppenphasen mit öden Informations- oder gar Selbstdarstellungsblöcken und ermüdenden Gruppendiskussionen verglich (wie bekannt: ein Saboteur kann - wenn die Methode nicht rasch gewechselt wird - eine Lerngruppe im Nu lähmen; eine mitreißende Aufgabe kann auch bei allgemeinem Desinteresse Anstöße geben, die noch nach Jahren Wirkung zeigen).
Gemeinsame Erarbeitung von Unterricht mit Kollegen, deren Unterricht ich meinem eigenen vorzog, hat meine Refktion wesentlich gefördert, nur hatte ich nicht ständig die Gelegenheit dazu (was nicht daran lag, dass ich meinen Unterricht immer vorbildlich gefunden hätte).
Gelegentlich frustrierender, aber auch erstaunlich lehrreich ist die Arbeit mit LehrerInnen im Vorbereitungsdienst (LIVs, vormals Referendaren).
Ein großer Vorzug: Während sonst gerade das, was im Unterricht nicht läuft, zur Reflektion herausfordert, kommt bei der Arbeit als Mentor mehr das in den Bick, was man schon gut macht.
Zum einen, weil man bei Anfängerfehlern befriedigt feststellen kann: Wenigstens den Fehler machst du nicht mehr. Zum anderen, weil man sich bei der Unterrichtsvorbereitung bemüht, möglichst sichere Tipps zu geben.
Aber auch die eigenen Schwächen kommen bei der Arbeit mit LIVs ganz anders in den Blick:
1. Man sieht manches, was wenig hilfreich ist und versteht, weshalb es nicht funktioniert, und stellt gelegentlich fest: Das mache ich ja genauso. Höchste Zeit, dass ich das ändere.
2. Die/der Ausbildende weist die LIV auf etwas hin, wovon man noch nichts gehört hat. Höchste Zeit, dass man sich schlau macht.

HaKa 23.08.2012 09:06
Hallo in die Runde, meine Erfahrungen waren sehr positiv als ich de Portfolioarbeit konsequent für mich nutzte. Sehr ertragreich, was Selbstreflexion angeht, meine ich. http://www.lehrer-online.de/portfolioarbeit.php Grüße Hannes
kdautel 30.08.2012 17:50
Hallo, zu dem schon Gesagten möchte ich zwei persönliche Dinge hinzufügen. 1. Zur Reflexion meines Unterrichts dienen mir regelmäßige anonyme Feedback-Bögen für die Schüler, in denen ich deren Wahrnehmung meines Unterrichts, meiner Notengebung oder meiner Umgangsformen in Erfahrung zu bringen versuche. Das kann auch auf der Ebene von Selbsteinschätzungsbögen von Lernerfolgen geschehen. Wichtig ist es dabei, gezielte, nicht zu offene Fragestellungen zu finden. 2. Eine etwas andere Form der Selbstreflexion sehe (und praktiziere) ich in der nachträglichen Aufarbeitung von Unterrichtseinheiten und deren Veröffentlichung im Internet. Dabei muss ich auch das eine oder andere Vorgehen oder Arbeitsblatt noch einmal überarbeiten und überdenken, damit es nachvollziehbar wird und auch didaktisch-methodisch stimmiger. Manchmal (aber leider nur sehr manchmal) bekomme ich dann auch eine Rückmeldung aus der Internet-Gemeinde.