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Mauerbau am 13.8. - Was sollten Schüler über die DDR wissen?

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Mauerbau am 13.8. - Was sollten Schüler über die DDR wissen?

In Brandenburg gibt es originelle Überlegungen, schon in Klasse 7 mit der Behandlung der DDR-Geschichte zu beginnen, weil man festgestellt hat, dass nur noch wenig Wissen darüber vorhanden ist.

In der Tat wäre es vielleicht ganz interessant, Schüler verschiedener Klassenstufen zu befragen, was ihnen zum Datum 13. August einfällt. Die Ergänzungen 1961, Flucht aus der DDR kann man ja nachreichen, wenn es keine spontanen Assoziationen gibt. (Beachtenswert wäre auch, ob es deutlich Unterschiede in den Kenntnissen in den alten und den neuen Bundesländern gibt. Mein Tipp wäre zwar, nur geringe Unterschiede, aber man kann sich täuschen.)

Die energische Kritik von Peter Haber an einer Abweichung vom chronologischen Vorgehen teile ich nicht. Natürlich spricht viel für einen chronologischen Durchgang. Aber ich habe meinerseits Geschichtsunterricht zu Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg in der 5. Klasse (oder war es doch erst die 6.?) erhalten, der freilich nicht dauerhaft mein Geschichtsbild bestimmt hat, aber doch geeignet war, das, was man aus Gesprächen und Medien entnahm, besser einzuordnen. In diesem Sinne halte ich es nicht für falsch, die DDR-Geschichte in der 7. Klasse aufzugreifen. Die schwierige Frage, was man dabei auswählen sollte, ist damit freilich noch nicht beantwortet.

Ich habe meinerseits in den 90er Jahren eine Auswahl von Ereignissen aus der deutschen Geschicht ab 1945 getroffen. Dass solch eine Zeittafel mit Erläuterungen (z.B. DDR, Kollektivierung der Landwirtschaft 1952, DDR-Flüchtlinge 1989) vorliegt, halte ich weiterhin für nützlich. Doch das Auswahlkriterium müsste eine Strukturierung ermöglichen. Daher weise ich nochmals auf meine Überlegungen vom 17.6.2010 hin:

Bemerkenswert finde ich deshalb die Auswahl, die Dietrich Garska in Das schweigende Klassenzimmer trifft. 1953 und 1956 als die Jahre der gescheiterten Aufstände in DDR und Ungarn. Dann erst wieder der Blick auf die Einigung. Sollte man mit dem Prager Frühling von 1968 als Parallele zur Studentenbewegung fortfahren, dann 1976 die Ausbürgerung Biermanns und die Proteste dagegen mit der Entstehung der Solidarność in Polen 1980 zusammen sehen als Vorbereitung der friedlichen Revolutionen von 1989?

Das hieße, die DDR-Geschichte vom Ende her als letztlich nicht erfolgreiche Dauerunterdrückung zu verstehen. Aber das dafür entscheidende Jahr des Mauerbaus von 1961 fehlte dann. Darf man es wagen, die DDR-Geschichte nur in DDR vor und nach dem Mauerbau zu gliedern?

KommentareKommentare

  • unag
    unag 14.08.2010 18:22

    Und darf man es wagen, die Geschichte der DDR nur von der heutigen medialen "Geschichtsbewältigung" seitens der BRD zu erklären und nicht auch die Seite der "gelernten" DDR-Bürger zu hören, wie er zu seinem Staat stand oder noch steht?!! Beide Staaten haben ihre Probleme mit dem Volk, haben Aufstände niedergeschlagen, sind nur theoretisch Demokratien und in der Realität eben die sogenannte Diktatur des Proletariats (woraus wir kein Hehl gemacht haben) und die heutige Diktatur des Kapitals, was wohl keiner abstreiten kann. Wenn also Geschichte erzählt werden soll, dann bitte die gesamten 40 Jahre bis zur Vereinnahmung mit vergleichsweisen Tiefen und Höhen auf beiden Seiten und wenn möglich mit Ehrlichkeit und Konsequenz die Erfolge der BRD und der DDR vereint zu einen Weg einer erfolgreichen sozialen Marktwirtschaft aufzeigen, die in der jungen BRD vielleicht einmal bestanden hatte !!!"

     
  • Fontane44
    Fontane44 14.08.2010 21:57

    Dass "das" Proletariat oder "das" Kapital geherrscht haben, wage ich zu bezweifeln. Meine Einschätzung: Im einen Fall haben Parteibonzen geherrscht, im anderen herrschte und herrscht eine andere Art von Elite, wobei der Politikeranteil demokratisch abwählbar ist, der Manageranteil nur über - undemokratische - Aktionärsversammlungen bzw. elitenintern. Aber mir geht es nicht darum, welche Geschichtspolitik (http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtspolitik) man im Unterricht verfolgen sollte, sondern um die didaktische Auswahl. "Alles erzählen" ist gut gemeint, geht aber nicht. Rousseau hat das am Beispiel seines Lebens versucht (http://wiki.zum.de/Jean-Jacques_Rousseau/Die_Bekenntnisse) und ist dabei kläglich gescheitert. Wie viel weniger kann das für 80 Millionen Leben gelingen. Die Frage ist für mich: Welche Lernanlässe kann man heute bieten, damit das Charakteristische der DDR-Geschichte erfassbar wird? Kannst du dafür Vorschläge machen?

     
  • kdautel
    kdautel 15.08.2010 10:27

    Der Begriff "Lernanlässe" gefällt mir gut in diesem Zusammenhang und ich als Deutschlehrer würde da als erstes Christa Wolfs "Der geteilte Himmel" aus dem Jahre 1963 als Klassenlektüre empfehlen. Christa Wolf ist ja in der DDR dafür nicht nur gelobt worden und sie versuchte in diesem Roman die DDR-Realität nicht nur von ihrer schönsten Seite zu zeigen. Zudem deutet der Titel ja schon auf die Teilung Deutschlands durch den Bau der Mauer hin. In der Klassik-ZUM gibt es dazu ein paar Unterrichtsideen (http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/cwolf/index.html).

     
  • unag
    unag 16.08.2010 21:52

    Ja das kann ich. Man sollte unbedingt die ungleichen Entwicklungsbedingungen der jungen BRD und DDR unter die Lupe nehmen. Amerika hat in die BRD-Wirtschaft investiert und die DDR musste erst einmal über viele Jahre die ganzen Kriegsreputationen an die Sowjetunion zahlen. So hing die DDR schon am Anfang wirtschaftlich weit zurück. Auf der einen Seite die notwendige Akkordarbeit (Adolf Hennige) zur Aufholjagt und auf der anderen Seite das kaum lebenswerte Leben führte zum 1953er Aufstand. Die durchaus richtigen Entscheidungen der Partei zur Kollektivierung und viele andere Maßnahmen unter Wilhelm Pieck lehnten zwar viele wegen der "Wiederwegnahme" des eigen Besitzes ab, doch es ging erst einmal vorwärts. Der größte Teil des Volkes stand voll hinter der Partei und wir waren froh über die Erfolge. Deswegen wurden die sogenannten Landesverräter, die mit sozialistischen Werken und Patenten in den Westen abhauten, auch so schwer bestraft. In den 70ern hat die ARD zugegeben, dass das westdeutsche Wirtschaftswunder zu einem Drittel auch diesen Leuten und dem Ausbluten der DDR zu verdanken war! Es suchten natürlich viele ihr Heil in der BRD, weil wir immer mehr zurück blieben. Da wir keine andere Mittel dagegen hatten, haben wir die Mauer gebaut, was natürlich für alle ein großer Schock war, weil die Bedingungen verschärft wurden und die Familien sich kaum noch sehen konnten. Ich könnte in den Begründungen noch weiter machen, aber über die Geschichte der DDR sollten doch auch gestandene DDR-Wirtschaftsexperten und Geschichtsanalytiker zu Wort kommen, um in der Schule der heutigen Jugend ein reales Bild des Sozialismus, auf den heute noch viele von uns stolz sind, geben zu können! Die absolut diktatorischen Einzwängungen und die Bespitzelung der Stasi sollen natürlich nicht dabei verschwiegen werden. Aber unser absolut spitzenmäßiges Politechnisches Bildungssystem (Europäische Spitze) sollte doch gegenüber dem westdeutschen Bildungsmittelalter beachtet werden! Doch in unserer Diktatur war ja alles schlecht.

     
  • Fontane44
    Fontane44 16.08.2010 22:09

    Darf ich also als deine Empfehlungen festhalten: in SBZ mehr Reparationen, kein Marshallplan, Kollektivierung der Landwirtschaft, Aufstand von 1953, Fluchtbewegung, Mauerbau, Stasi. Habe ich etwas übersehen oder hast du für die Zeit nach dem Mauerbau keine Vorschläge?

     
  • unag
    unag 16.08.2010 22:26

    Meine letzten Sätze waren so gedacht, dass eben andere Experten der DDR darüber berichten sollen als ich als zwar eingesperrter, doch stolzer DDR-Bürger. Nach Ulbricht hatten viele in Honnecker einen vorwärtsbringenden und volksnahen "Führer" gesehen, allerdings sahen wir es auch, dass nach 1974 die "Unterdrückung" des Mittelstandes ein großer Fehler war. Die Bespitzelung war uns egal, weil wir zum Staate standen. Ich persönlich wollte wegen des Verdienstes auch zur Staasi bei der Technik, obwohl ich das Aushorchen der Menschen absolut abgelehnt habe. Ich hatte als Lehrer wenige Nachteile, obwöhl ich es gespürt habe, weil ich nicht in die Partei ging. Sie verstanden nicht, dass ich ein guter Kommunist war und immer noch bin, dass ich nicht Mitglied wurde, weil ich mir den Mund nicht verbieten lassen wollte! Wendehälse kann ich deswegen nicht verknusen. Seit vielen Jahren bin ich auch wieder Christ geworden. Christ und Kommunist verträgt sich für mich, weil die Kommune die Quelle ist.

     
  • Fontane44
    Fontane44 16.08.2010 22:45

    Was sind nach deiner Auffassung nach 1961 noch wichtige Vorgänge gewesen? Sind 1968 Prager Frühling; 1972 Grundlagenvertrag; 1974 Verfassungsänderung; 1976 Biermanns Ausbürgerung; Friedensbewegung, Bürgerrechtsbewegung und Flucht in ausländische Botschaften weniger wichtig?

     
  • unag
    unag 17.08.2010 16:17

    Nein, du sprichtst die bedeutendsten schon an. Die Friedensbewegung und Bürgerbewegung hatte ja ihren Ausgang nach der Gründung der Solidarnoce in Polen. Das färbte ja auf uns ebenfalls ab, weil wir uns nicht mehr uniformieren lassen wollte. wir wurden dadurch ja auch mutiger. Nach meinem 2. Reservistendienst hatte ich mir vorgenommen, den 3. auf jeden Fall zu verweigern, weil die Offiziere nur noch aggressiv gegen die BRD hetzten. Hätte mir wahrscheinlich den Lehrerberuf gekostet. Ich wäre aber durch alle Instanzen gegangen und hätte den Staat angeklagt. Trotz Allem wollte der große Teil des Volkes auf keinen Fall den Kapitalismus! Das kommt leider immer noch falsch bei den Westdeutschen durch die Verdrehung in den Medien an! Es bewahrheitet sich immer mehr, dass wir richtig über diese Gesellschaftsordnung aufgeklärt wurden! Deshalb finde ich es so wichtig, wie oben beschrieben, dass die vergleichbaren Geschehnisse auf beiden Seiten im Konsens betrachtet werden und nicht einseitig die DDR!

     

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